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  • Auf Reisen mit Michael

    Ueli Meier

    Dass Michael Jackson Europa von der Schiene aus entdecken wollte, bescherte Hans Muntwyler einen unvergesslichen Job: Der Schweizer war für Michael’s Wohl zuständig. Jackson.ch hat mit ihm über seine Erlebnisse gesprochen.

    Entdecke ein exklusives Video vom Innern des “Michael-Zuges” und eine noch nie zuvor publizierte Zeichnung vom King of Pop!

    Dangerous Tournee 1992. Hans Muntwyler war jeweils für etwa eine Woche pro Jahr als Steward im Nostalgie-Orient-Express angestellt. Der Zug konnte für Reisen in ganz Europa gebucht werden. Ende Sommer 1992 erhielt er wieder einen Anruf von seinem temporären Arbeitgeber – ob er bereit wäre, Michael Jackson bei dessen zweiten Reise mit dem Orient Express als persönlicher Schlafwagenschaffner zu begleiten. „Wieso eigentlich nicht!?“, war seine spontane Reaktion. “Ich blieb völlig locker“, erinnert sich Muntwyler schmunzelnd. Erst nach der Reise wurde ihm richtig bewusst: „Ich war mit der Nummer eins der Welt hautnah unterwegs!“

    Schwarzer Stoffpanther
    Muntwyler erlebte Michael als „sehr nett, zurückhaltend und scheu“, wie er sagt. Michael habe sich ganz normal und menschlich verhalten. In Berlin kehrte Michael und sein junger Begleiter zu später Stunde mit einem schwarzen Stoffpanther von einem Einkaufsbummel zurück. „Michael ging voraus, hielt mir die Türe auf und sagte sogar noch Thank you“, erzählt Hans. Auch nicht vergessen werde er den Moment, als er ihn im Salonwagen überraschte. „Michael liess ein Video von sich laufen und übte gerade einige Tanzschritte. Als er mich sah machte er einen etwas verlegenen Eindruck.“
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    Flipperkästen und Stereoanlage
    Während in der vorderen Zugshälfte die Dangerous Tourcrew reiste, war der hintere Teil Michael vorbehalten. So gab es nach dem Speisewagen nur für auserwählte Personen Durchgang in den folgenden Salonwagen. Michael hatte hier einen langen Tisch und einen Fernseher mit Video und Playstation zur Verfügung. Dann folgte Michael’s, von Hans Muntwyler betreute Schlafwagen, in dem Hans, Michael und dessen junger Begleiter ruhen konnten. Direkt daran angeschlossen war der für damalige Verhältnisse moderne Bürowagen des deutschen Bundeskanzlers, ausgerüstet mit Fax und Telefon. Den hintersten Wagen liess Michael ausräumen und dafür mit Stereoanlage, einigen Flipperkästen und einem Fussballkasten ausstaffieren.

    Verstaubter Schminkkoffer
    Mittels ausgemachtem, an die Abteiltüre geklopften Rhythmus, wurde Michael jeweils von seinem Sekretär geweckt, der ihm einen verstaubten und mit weissen Fingerabdrücken übersäten Beautycase vor sein Single-Abteil stellte. „Dann öffnete sich die Tür einen Spalt und Michael’s Hand kam heraus und zog den Beautycase hinein“, sagt Hans Muntwyler. „Im Lavabo war nie ein Tropfen Wasser, nur Puder. Auch das Bett war nie benutzt, zumindest legte er sich nicht unter die Decke.“ Dass die Mutter und Schwester von dem etwa 11-jährigen Knaben in Michael’s Begleitung im vorderen Zugteil reisten, mag etwas sonderbar gewesen sein. „Mir wäre aber nie eingefallen, dass da etwas Unrechtes gelaufen ist“, sagt Hans Muntwyler.

    Schmerzmittel
    Nach der Fahrt von Berlin nach Köln, durfte der ganze Orient Express Staff im Kölner Hotel Hyatt an der Lobby Bar warten. Sie waren eingeladen, dem Dangerous Konzert in Gelsenkirchen beizuwohnen. Doch schon den ganzen Tag war unklar, ob Michael überhaupt auftreten werde. Seine Fans versammelten sich vergebens vor dem Hotel um ein Zeichen von Michael auszumachen. Er litt an Kehlkopfproblemen und sein Sprecher Kleinberg liess kürzlich verlauten, dass Michael Schmerzmittel nehme um die Auftritte zu überstehen. Abgesehen von den zwei Nächten, in denen Michael statt mit dem Zug in seinem Van reiste, merkte Hans Muntwyler nichts: „Michael wirkte auf mich fit.“ oe-vip-dtour-sm

    Panoramasicht
    Das ungewisse Warten in der Hotel Lobby nahm ein abruptes Ende als Marcel Avram erschien und der Zugscrew erklärte, dass das Konzert in Gelsenkirchen definitiv ausfalle, da es Michael wirklich schlecht gehe. In Lausanne, dem folgenden Tourstop, durften die Orient Expresses Angestellten dann ihr Konzert doch noch erleben. „Riesige Bodyguards führten uns in die Backstage-Bereiche, wo wir auch die Gitarristin Jennifer Batten trafen“, sagt Muntwyler. Anschliessend wurden sie von den Bodyguards durch die Zuschauermassen auf den etwa 40 Meter von der Bühne entfernten Mischturm geführt. Nicht nur die Panoramasicht über tausende Köpfe hinweg begeisterte ihn: „Das Konzert war schlicht sensationell!“

    Bemalte Serviette
    Noch heute nimmt ihm seine Frau übel, dass er kein Autogramm von Michael Jackson nach Hause gebracht hatte. „Ich wollte meinen Job gut machen, ohne aufdringlich zu wirken“, wehrt sich Hans Muntwyler. Trotzdem hat er ein paar Mal die Videokamera eingeschaltet – die Aufnahmen kannst du hier exklusiv anschauen.oe-mjpainting
    Sein grösster Schatz ist aber eine gefaltete Stoffserviette, auf der Michael mit einem Kugelschreiber zwei karikierte Köpfe zeichnete. Muntwyler: „Ein Kellner und ich fanden sie an Michael’s Esstisch, nachdem er den Zug verlassen hatte“. Hans nahm sie emotionslos als Reiseandenken an sich, ohne jemals ernsthaft daran zu glauben, dass die Zeichnungen von Michael stammen könnten. Nie hörte er davon, dass der King of Pop zeichnen konnte. So lag sie seither bei ihm zu Hause, bis er im Radio von dem Autogramm – ebenfalls auf einer Serviette – im King of Pop Museum hörte. Nach Vergleichen mit anderen Zeichnungen Michael Jacksons ist klar: die Karrikaturen sind definitiv von ihm!

     


    Michael Jackson unterwegs im Orient Express: .0:00 „Geheime“ Ankunft in Pegnitz, vor seiner Show in Bayreuth, 5:00 möglicherweise Gelsenkirchen/Köln 6:30 Rundgang durch die für Michael vorbehaltenenen Waggons… Da Michael nach seinem abgesagten Konzert in Gelsenkirchen mit dem Van reiste, vergnügten sich die Angestellten mit seinen Spielautomaten.

    Servietten zum Verkauf freigegeben
    Du kannst die Servietten erstehen! Mache Hans Muntwyler ein Angebot auf diese E-Mail Adresse.

    Medien Berichte
    Zeitungsartikel über Michael Jackson und den Orient Express hier: Pressespiegel Orient Express

    Hintergrundinfos:
    Die erste Reise Michaels mit dem Orient Express begann nach dem Dangerous Tourstart in München Ende Juni 1992. Zu Konzerten wie in England, musste er natürlich das Flugzeug benutzen.
    Hans Muntwlyer löste den Schaffner von Jacksons erster Reise ab und begann somit sein Abenteuer in Ludwigshafen, einen Tag nachdem Michael am 29. August den 34. Geburtstag in Regensburg auf dem Schloss der Fürstin Gloria von Thurn und Taxis gefeiert hatte. Muntwyler erhielt keine speziellen Instruktionen, wie er mit Michael Jackson umgehen müsse. Auch habe niemand einen Vertrag unterschreiben müssen. Der Koch, der aufgrund einiger Medienberichte von Michaels Management und der Intraflug AG zur Rede gestellt wurde, war auch bei der letzten Reise wieder dabei. oe-avram-mj

    Jacksons Konzertveranstalter Marcel Avram (Mama Concerts und Rau) bestellte bei der Intraflug AG den Orient Express als Reisemittel für die Konzerte auf dem europäischen Festland. Michael reiste mit 1. und und 2. Sekretär , persönlichem Koch, seinem Schneider und weiteren Mitarbeitern. (Der 1. Sekretär, der Michael jeweils aus seinem Abteil „klopfte“ ist z.B. 05:05 im Video)

    Der Junge, mit dem Michael unterwegs war, ist vermutlich Brett Barnes.
    2005 beteuerte er und seine Schwester vor Gericht, dass niemals etwas sexuelles zwischen ihm und Michael vorgefallen sei:
    http://news.bbc.co.uk/2/hi/entertainment/4508169.stm

    orient_expressGeschichte des Orient Express
    Der ursprüngliche Orient Express hat eine lange und spannende Geschichte.
    Erfahre auf Wikipedia mehr über den luxuriösen Zug, der im Jahr 1883 erstmals von Paris nach Rumänien rollte, und dann einige Jahre später zwischen Paris und Istanbul verkehrte.

    Michael Jackson mietete den „Nostalgie Istanbul Orient Express“ von der schweizerischen Intraflug AG. Dessen Besitzer, Albert Glatt, begann in den 70er Jahren, alte Orient Express Wagen aufzukaufen und zu restaurieren. Die Intraflug AG hatte ihren Sitz im zürcherischen Elgg.