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Artikel aus dem" Jewish Telegraph" von Herrn Shmuley Boteach.



Michael Jackson direkt aus Eden



In meinem zweiten Jahr in Oxford als Rabbiner kam ein chassidisches Ehepaar zu Besuch, um mit meiner Familie das Fest von Succot zu verleben.


Nach dem Abendessen mit mehreren Studenten sah eine junge Frau fragend auf die 10 Kinder des Ehepaars, die ihre Mutter umringten. "Sind das alles Ihre? " fragte sie. Die Mutter bestätigte ihr dies, worauf die Studentin reagierte: "Halten Sie das nicht für ein bißchen viel?" Die Augen der Mutter röteten sich und sie entschuldigte sich. Ich folgte ihr in die Küche und bat um Vergebung wegen der Bemerkungen meiner Studentin. "Ist schon gut", sagte sie. "Das kriege ich die ganze Zeit zu hören. Aber mein Rebbe lehrte mich, mich nicht für meine vielen Kinder zu genieren".


Ich wurde die letzte Woche an diese Geschichte erinnert, als meine Familie und ich eine Woche auf der Neverland-Ranch von Michael Jackson in Kalifornien verbrachten.

Ich weiß, daß jeder einen Große-Namen-Nenner haßt, aber dulden Sie es nur dieses eine Mal. In diesen sechs Tagen mit Michael wurde ich Zeuge eines außergewöhnlichen menschlichen Wesens, total mißverstanden und völlig entstellt dargestellt, mit einem grenzenlosen Mitgefühl für Kinder.

Die Szene war einfach erstaunlich. Neverland ist Disneyland trifft den San Diego Zoo, weit geöffnete Tore für einen ständigen Strom von Kindern. Einige der jungen Menschen kämpften mit Krebs, andere waren von Schulen aus der Innenstadt mit Bussen gekommen, um einen Tag im Begeisterungstaumel zu genießen, und
alle wurden durch die persönliche Aufmerksamkeit, die Michael allen und jedem Kind gibt, sprachlos gemacht.

Ein zehn Jahre altes Kind, schämte sich, seinen Hut abzunehmen und seine chemo-verwüstete Glatze zu enthüllen, entfernte schließlich die Bedeckung, nachdem Michael einen Tag damit verbrachte, sein Selbstvertrauen aufbauen.


"Mitgef
ühl" ist ein breiter Begriff, der sowohl Zuneigung als auch Einfühlung umfaßt. Von den zwei verlangt Empathie tiefere Beteiligung, da es tatsächlich Gefühl für den Schmerz des anderen erfordert.

Von dem Moment an, als ich letztes Jahr Michael in New York traf, wußte ich, daß er ein größeres Einfühlungsvermögen als fast jede andere Person hat, der ich jemals begegnet bin.

Wir sprachen über die Hirschjagd - ein üblicher Sport im Vereinigten Königreich. In Michaels Augen stiegen ein paar Tränen und er erforschte mich mit seinem eindringlich fragenden Blick: "Ich kann es nicht verstehen, wie jemand auf etwas schießen kann, das völlig hilflos ist?"

Später sprach er über die vielen Eltern in unserer Welt, die die Abendessenszeit mit ihren Kindern versäumen. Seine Stimme brach in Emotionen, während ich verzweifelt versuchte, meinen schuldigen Ausdruck zu verbergen.

Als sein kleiner Sohn Prince in den Raum trat, sprach Michael mit ihm wie mit einem jungen Erwachsenen, mit großer Geduld auf die Fragen von Prince antwortend. Der kleine Junge mit dem goldenen Haar war offensichtlich die unvergleichliche Freude im Leben seines Vaters.

Eine Lehre von Michael: Wir sollten alle äußerlich erwachsen werden, aber das Kind in uns für immer in unserem Zentrum bewahren. Wenn wir älter werden, zwingt der Schmerz der Welt um uns herum vermehrt, unsere Herzen zu verschließen.

Wurden nicht Adam und Eva, die unverdorbenen Vorfahren des Menschengeschlechts, geschildert als Kinder, nackt und unschuldig, im Garten von Eden?

Aus diesem Grunde fühle ich, wenn Michael um mich ist, vor allem Freiheit, befreit von Dünkel und Unnachgiebigkeit .

Ich erinnere mich als eine erste Erfahrung daran, als Michael uns als seine Gäste in ein lokales Kino in den Film "Toy story 2" mitnahm. Ich bin eigentlich nur wegen meiner Kinder dort gewesen. Aber hinter mir lachte Michael so laut über den Streifen, daß ich langsam in Schwung kam. Innerhalb weniger Minuten lachte auch ich und konnte den Film genießen. Und dann kam es mir in den Sinn, daß ich, sogar als ein Erwachsener, nicht sehen mußte, wie Leute erschossen werden, mit verstümmelten Gliedern in der Luft explodieren, oder erotische nackte Körper, um unterhalten zu werden.

Als ein Schriftsteller über zwischenmenschliche Beziehungen werde ich oft von Frauen gefragt: "Worauf sollte ich am meisten bei einem Ehegatten achten?" Ich rate ihnen, ihn beim Umgang mit Kindern zu beobachten.

Ein Mann, der die Unschuld eines Kindes liebt, ist selber unschuldig. Ein Mann, der die Verspieltheit eines Kindes liebt, ist selbst verspielt. Und ein Mann, der Geduld für Kinder hat, ist ein geduldiger Mann.

Es gibt eine menschliche Qualität, wesentlicher als Nahrung oder Wasser, die wir unseren Kinder geben müssen - das ist Würde. Es ist ein unsichtbares Geschenk, ungreifbarer als Nahrung oder materielle Fürsorge.

Aber glauben Sie mir, daß Gott Michael ein besonderes Paar Brillen gegeben hat. Er sieht die Roben der Würde und drapiert die Schultern unserer Kinder in diese königlichen Gewänder von Bewunderung und Achtung.

Als er mir sagte, "Jedes Kind sollte wie ein Filmstar behandelt werden und eine Menge Aufmerksamkeit bekommen", war meine achtjährige Tochter gerade in den Hallen des Videoraums von Neverland verloren gegangen und begann zu weinen, Michael lief zur ihr hinüber sagte:"Oh, ich weiß, wie du dich fühlst, ich erinnere, daß mir das Gleiche passierte, als ich ein kleiner Junge war". Ich verglich das mit dem, was meine eigene Reaktion gewesen wäre, ihre Furcht abzutun und sie zu ermutigen "stark zu sein".

Ich erinnere mich einer alten jüdischen, mystischen Tradition, daß nicht alle Menschen aus dem Garten Eden zusammen mit Adam und Eva vertrieben worden sind. Es gibt noch Einzelne, die im Paradies herumtollen und uns allen zuwinken, wieder einzutreten. Könnte es sein, daß Michael moonwalked zurück nach Eden? Vielleicht.

Eines ist sicher: Wegen Michael habe ich ein paar mehr Blumen im Garten meines eigenen Herzens gepflanzt.

Ihn bei seinen Kindern zuzuschauen, hat mich zu einem besseren Vater gemacht, ihn auf seiner Ranch zu beobachten, wie er sich gegenüber Krebspatienten verhält, hat mich zu einem mitfühlenderen Menschen gemacht, und von seiner Demut Zeuge zu sein, hat mich veranlaßt zu erkennen, daß, wenn es ihm möglich ist, umgänglich zu sein, ich keine Entschuldigung mehr für Reserviertheit habe.

Einige werden mich für diese Worte kritisieren, als ein Verteidiger von Michaels Exzentrizität (auch wenn meine Jahre in Oxford mich lehrten, daß alle bedeutenden Genies exzentrisch sind).

Aber in der letzten Woche feierten wir den 42. Geburtstag von Michael mit ihm auf der Ranch, und ich fragte mich, was kann man einem Mann geben, der alles hat?

Das einzige Ding, auf das ich gekommen bin, war, ich könnte an die Öffentlichkeit gehen und eine schwerwiegende Ungerechtigkeit korrigieren!

Es ist höchste Zeit, daß über die außergewöhnlichen Taten der Güte gesprochen wird, die für das Leben von Michael von zentraler Bedeutung sind. Michael lenkt von Lobpreisungen ab, indem er Ihnen erzählt, daß er sich eigentlich eines Lobes für unwürdig hält.

Vielleicht hat der Schmerz der von geistiger Niedrigkeit zeugenden Angriffe seine Narben hinterlassen.

Vielleicht er ist verwirrt, warum einige Leute seine Schuld voraussetzen, auch wenn der Eckstein unseres Gerechtigkeitssystems ist, daß alle Menschen als unschuldig zu gelten haben, bevor ihnen das Gegenteil bewiesen wird, und Michael konnte niemals einer Missetat bezichtigt werden.

Oder vielleicht ist es gerade sein natürliches Mißbehagen daran, das Zentrum der Aufmerksamkeit zu werden, wenn wir vielmehr jede Unze Aufmerksamkeit, die wir aufbringen können, den bedürftigen Kindern, die uns umgeben, widmen sollten.



Vielen Dank an Dagmar Herrmann für den deutschen Artikel!