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3. Gerichtsverhandlung
von Jutta Müller

3. Gerichtsverhandlung, Dienstag, 15. Juni 2010

An der 2. Verhandlung vom 5. April 2010 legte der neu eingesetzte Richter, Michael Pastor, nach 30 Minuten fest, dass am 15. Juni entschieden werden soll, ob Dr. Murray ein voller Prozess bevorsteht. Entschieden werden soll auch, ob Dr. Murray weiter als Arzt arbeiten kann.

Auch die dritte Verhandlung war eine kurze. Dr. Murray darf bis zu seinem Prozess wegen fahrlässiger Tötung weiter als Arzt arbeiten. Obwohl der kalifornische Ärzteverband gefordert hatte, dass Murray bis zu seinem Prozess nicht weiter als Arzt arbeiten sollte. „Der Richter Michael Pastor verwies am Obersten Gericht in Los Angeles auf bereits bestehende Einschränkungen für Conrad Murray hin. Er sehe sich nicht befugt, dem 57-Jährigen weiterreichende Beschränkungen aufzuerlegen“ (The West Online RPG/15.6.2010) Pastor beraumte für den 23. August 2010 eine „Vor-Anhörung“ (Preliminary Hearing) an, berichtete der Internetdienst tmz.com.

Voluntary – Involuntary Manslaughter nach amerikanischem Recht

Search 18 U.S.C. § 1112: US Code – Section 1112: Manslaughter gibt darüber Auskunft:

(a) Manslaughter is the unlawful killing of a human being without malice. It is of two kinds:

Voluntary – Upon a sudden quarrel or heat of passion.
Involuntary – In the commission of an unlawful act not amounting to a felony, or in the commission in an unlawful manner, or without due caution and circumspection, of a lawful act which might produce death.

(b) Within the special maritime and territorial jurisdiction of the United States,

whoever is guilty of voluntary manslaughter, shall be fined under this title or imprisoned not more than ten years, or both;
whoever is guilty of involuntary manslaughter, shall be find under this title or imprisoned not more than six years, or both.

Ich lese die Versuche einiger USA-Anwälte, involuntary manslaughter, zu definieren. Zu erfahren ist, dass Dr. Murray’s Propofol-Abgabe so interpretiert werden kann, dass er davon ausging, dass Propofol unschädlich sei. Oder: dass Murray nichts über die Gefahren wusste. Oder: vor ihm haben schon andere Ärzte Propofol abgegeben. Und es ist nichts passiert. Zu erfahren war auch, dass es schwierig ist, voluntary manslaughter mit einer kriminellen Nachlässigkeit in Verbindung zu bringen. Dann würde sich die Anklage „in Wind auflösen“.

Dazu äussert sich auch California defense attorney, Jennifer Keller: „involuntary manslaughter is reckless behavior that results in death. It’s relatively rare to see involuntary manslaughter charged alone, unless it’s vehicular manslaughter“. CNN/Beth Karas and Ann O’Neill/9. Februar 2010.

Das offizielle Dokument des Obduktions-Berichts

Am 17. Juni 2010 setze ich mich gegen Abend hin, um mich noch einmal mit Dr. Murray zu befassen. Bei dieser Gelegenheit finde ich, völlig unerwartet, den offiziellen Obduktionsbericht. Quelle: New York Times/8. Februar 2010.

Beim Durchsehen der vielfältigen Untersuchungen ist erst einmal festzustellen, dass im Magen von Michael Jackson keine Tablettenrückstände gefunden wurden. Das Gewicht wurde mit 136 pounds angegeben. Die Enthüllungsjournalistin Diane Dimond hat ja die Tablettenrückstände mehrfach in ihren Berichten angegeben. Und ein Gewicht von 51 kg.

Auf Seite 11/Autopsy-Report – No. 2009-0445 der Bericht, der von Christopher Roger, Chief Forensic Medicine Division und Lakshmanan Sathyavagiswaran, Chief Medical Examiner-Coroner am 19. August 2009 unterschrieben wurde.

The cause of death is homicide, based on the following:

1. Circumstances indicate that propofol and the benzodiazepines were administered by another.
2. The propofol was administered in a non-hospital setting without any appropriate medical indication.
3. The standard of care for administering propofol was not met (see anesthesiology consultation). Recommended equipment for patient monitoring, precision dosing, and resuscitation was not present.
4. The circumstances do not suppoert self-administration of propofol“.

Auf weiteren Seiten wird eindrücklich beschrieben, wie sorgfältig mit Propofol umgegangen werden muss. Und dass das Medikament nur in einer Klinik von geschultem Anaesthesie-Personal verwendet werden darf. Und wie wichtig geeignete medizinische Gerätschaften für das Leben, Überleben, eines Patienten sind. Propofol wird auch nicht gespritzt. Es wird per Infusion verabreicht. Die beiden oben erwähnten Ärzte beschreiben auch ausführlich, dass es unmöglich gewesen sei, dass Michael Jackson sich Propofol selber verabreicht haben könnte.

Dieser offizielle Obduktionsbericht liegt auch dem Gericht vor. Richter Pastor’s Entscheid, Dr. Murray weiterhin als Arzt arbeiten zu lassen, ist unverständlich.

Leck im Los Angeles Coroner’s Office
Auf Seite 10 ist die Auflistung der Fotografien auszumachen. Insgesamt wurden 120 Bilder gemacht. Daraus ein Auszug:

Am 25. Juni 2009: 17 im UCLA Medical Center, 13 in der Villa/“bedroom“, 61 vor und nach der Autopsie. Wie mehrfach im Bericht erwähnt, sind 4 Fotografien des Sterbebetts im Internet zu sehen. Es ist offenbar auch so, dass mindestens eine Fotografie der Obduktion im Umlauf ist. Und einigen Medien zum Kauf angeboten wurde.

Am 29. Juni 2009 wurden 13 Fotografien geschossen: „showing the dressing room with closets where additional medical evidence was collected“. Das heisst, dass Investigator Elissa Fleak und ihre Begleitung am 25. Juni 2009 den Ankleideraum nicht untersucht haben. Was doch sehr merkwürdig ist.

Newser/John Johnson (Quelle: Los Angeles Times) berichtete bereits am 22. Juli 2009, dass Mitarbeiter des Los Angeles Coroner’s Office von den Sterbeurkunden Kopien anfertigten. Eine Sterbeurkunde verbleibt aber in der Hand einer Person. Vermutet wird, dass aus zwei anderen Computer-Systemen Informationen über die Untersuchungen über Jackson’s Tod hinausgingen. Nun, die Vermutung ist längst als Tatsache auszumachen. Die kalifornischen Rechtsbehörden müssen sich dazu dringend erklären.

Unterdessen wurde das UCLA Medical Center mit einer Geldbusse von 95‘000.00 Dollar gebüsst. Da auch hier vertrauliche Informationen aus den Patientenakten an Drittpersonen abgegeben wurden. Zwei Mitarbeitende wurden entlassen.


conrad-murrayWer ist Dr. Conrad Murray? – Dr. Murray‘s Liebesnest

Geboren ist er am 19. Februar 1953 in Saint Andrew, Grenada. Er lebte erst bei seiner Grossmutter und zog dann zu seiner Mutter nach Trinidad und Tobago. Er wuchs ohne Vater auf. Nach der High School finanzierte er sich sein Studium bei einer Versicherung und als Zollbeamter. 1980 übersiedelte er nach Houston, USA. 1989 schloss er sein Medizinstudium ab. Er war nun berechtigt in den Staaten Texas, Kalifornien und Nevada als Arzt zu arbeiten. 1999 machte er sich selbständig mit einer Privatpraxis. Zurzeit arbeitet Murray auch in zwei Kliniken in Texas und Nevada. Er darf nach der 1. Gerichtsverhandlung bestimmte Medikamente weder besitzen noch verschreiben.

Dr. Murray ist verheiratet und lebt mit seiner Frau, einem Sohn und einer Tochter in einem Haus an einem Golfplatz. Murray hat in ausserehelichen Beziehungen einige Kinder gezeugt. Im Gerede sind sieben von sechs verschiedenen Frauen. 2007 erhielt er einen Strafbefehl wegen unterlassener Unterhaltszahlungen für einen Sohn. 2009 erhielt er wieder einen Strafbefehl mit Androhung einer Gefängnisstrafe für ein anderes Kind. Im Betrag von 13‘000.00 Dollar. Laut Bild.de/ABC News sass Dr. Murray 1994 für kurze Zeit im Gefängnis. Wegen häuslicher Gewalt. Er soll seine damalige Freundin verprügelt haben. Das Gericht urteilte dann offenbar „auf Bewährung“. Daily News berichtete am 8. Dezember 2009, dass Murray in der Nähe der Villa von Michael Jackson eine Wohnung (love nest) mit einer Frau bewohnte. Die im März 2009 ein Kind gebar. Dr. Murray ist schwer verschuldet (siehe dazu 1. Teil: Zeugen und Freunde sagen aus/30. Juli 2009 Larry King). Trotzdem konnte er nach Bezahlung der Kaution von 75‘000.00 Dollar das Gericht als freier Mann verlassen. Wer übernahm die Zahlung der Kaution. Wer zahlt die Anwaltskosten?

Als Arzt wird Dr. Murray von seinem Patienten „in den Himmel“ gehoben. Er habe vielen Menschen helfen können. Und immer wieder auch Patienten unentgeltlich behandelt. Gerade mit diesem Hintergrund ist es doch irgendwie merkwürdig, warum Murray seine Arbeit in Texas und Nevada aufgegeben hat. Und sich jeden Abend neben das Bett von Michael Jackson setzte, um ihn mit Propofol und weiteren Medikamenten in den Schlaf zu bringen. An denen Michael Jackson verstorben ist. Die Angaben von Dr. Murray sind auffallend widersprüchlich. Warum gibt er nicht zu, dass Michael Jackson in seiner Villa verstarb.

In einigen Zeitungen wird berichtet, dass Dr. Murray sein Handy für ein Aufgebot der Sanität nicht benutzen konnte, weil er die Adresse der Villa nicht kannte!!! Berichtet wird auch, dass Murray am 24. Juni 2010, vor seinem Auftauchen in der Villa, Alkohol getrunken habe. Dr. Murray traf um 1 Uhr nachts mit seinem Auto auf dem Grundstück von Michael Jackson ein. Obwohl er, wie oben berichtet, die Adresse der Villa nicht kannte.

25./26.Juni 2010 /JM

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