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Beschwerde beim Schweizer Presserat
von Jutta Müller

Bevor ich wegen "King of Mess"/erschienen 7. Juli 2011 an den Presserat gelangt bin, habe ich am 10. Juli 2011 eine begründete E-Mail an die zuständige Redaktion von “20 minuten” geschickt. Der Eingang wurde weder bestätigt noch beantwortet. Mit einer begründeten E-Mail habe ich mich dann an die zuständige Chefredaktion gewandt. Am 12. Juli 2011 antwortete Bernhard Brechbühl: "Danke für Ihre Zuschrift. Dass Sie sich als leidenschaftlicher Jacko-Fan und Angehörige der hiesigen Fan-Community vehement für eine positive Darstellung von Michael Jackson einsetzen, kann ich verstehen. Auch wir haben grosse Hochachtung vor dem musikalischen Schaffen des King of Pop. Wir verschliessen aber auch nicht die Augen vor den dunklen Seiten seines Lebens und berichten deshalb darüber. Für die von Ihnen verlangte 'Richtigstellung' sehe ich keinen Anlass."

In meinem Michael Jackson-Bericht habe ich ja scharfe Blicke auf die Medien geworfen. Aufgefallen sind mir dabei besonders auch Medienberichte über die Neverland-Ranch. Und die Durchsuchungen. Besonders Berichte der Gazette News Of The World. Und wie sich die Berichterstattung im Laufe der Jahre noch journalistisch verwerten liess. Getätigt von Dan Evans in seinem Bericht "Inside Wacko's Secret World" vom 19. Juli 2009. Das darin enthaltene Fotomaterial wurde dann von 20minuten in "King of Mess" wieder aufgetischt. Offenbar wollte die Redaktion die gefundenen Kunstschätze von MJ im Jahr 2011 mit den Fotografien noch aufpeppen. Salopp ausgedrückt: In diesem Messie-Haushalt sind sie einfach untergegangen. Und auf den Kindsmissbrauch kann man auch schnell noch mal zurückkommen.



An das
Sekretariat des Schweizer Presserates
Postfach 201
3800 Interlaken


Betrifft: Beschwerde gegen eine unwahre Berichterstattung von 20minuten. Übernommen vom Tagblatt


Sehr geehrte Damen und Herren,

von meinem Recht Gebrauch machend, beschwere ich mich über falsche Berichterstattungen. Es handelt sich um 20minuten. Das Tagblatt hat den Bericht von 20minuten vollumfänglich übernommen. Das Tagblatt ist die offizielle Zeitung, in der Ankündigungen und Beschlussfassungen der Behörden der Stadt Zürich und der städtischen Kirchgemeinden veröffentlicht werden.  

Am 30. Juni 2011 ist mir folgende Meldung aufgefallen: „Jacko gab mir Wein und Kokain“. Sie ist erschienen in 20minuten. Und in den Medien weltweit. Es handelte sich um eine Aussage von Aaron Carter in einem Interview mit Daphne Barak. Carter hat wenig später dementiert, diese Aussage gemacht zu haben. Im Internet gibt es dazu Videos über dieses Interview. TMZ hat die Berichterstattung umgehend richtig gestellt. Ich habe im Internet nachgesehen, ob auch 20minuten die Berichterstattung korrigiert hat. Das ist nicht geschehen. Bei dieser Gelegenheit bin ich auf einen weiteren Bericht über Michael Jackson aufmerksam geworden. „King of Mess“. Erschienen in 20minuten und im Tagblatt am 7. Juli 2011. Dieser Bericht wird begleitet von 11 Fotografien, die den Sachverhalt belegen sollen.

Zitat: „Obwohl sich Pop-Legende Michael Jackson zu Lebzeiten wohl eine ganze Armee an  Putz-Personal hätte leisten können, war die Neverland Ranch mehrheitlich völlig zugemüllt.“

Und zu den Fotografien:
Zitat: „Was für ein Chaos. Die Fotos in der obigen Diashow zeigen Innenräume der Neverland Ranch anno 2003. Das Anwesen des King of Pop war zu Lebzeiten völlig zugemüllt und verdreckt.“

Dieser Bericht mit den Fotografien wird in Verbindung gebracht mit der Auffindung einer riesigen Kunstsammlung

Zitat: „Doch damit nicht genug: Gemäss dem Internetportal Radar Online befand sich in den Räumlichkeiten von Michael Jacksons Ranch zudem eine riesige Kunstsammlung im Wert von rund 640 Millionen Euro, die aber nach seinem Tod 2009 an einen Geschäftsmann verscherbelt wurde – ohne Einverständnis der Jackson Familie“. 
(Beilagen 1, 2: Bericht 20minuten:, 3: Radar Online: „Michael Jackson’s Forgotten Fortune: Secret Art Collection“, 4: „The Priceless Artwork“)

Was zeigen die Fotografien nun wirklich?
Im November 2003 wurde die Neverland Ranch von 70 (andere Quellen: 80) Polizisten, die in 40 Fahrzeugen angereist waren, durchsucht. Dauer: 14 Stunden. Die Polizei hat eine Zerstörungsorgie sondergleichen veranstaltet. Aufgeschlitzte Matratzen. Aufgeschlitzte Polstermöbel. Zerstörtes Mobiliar. Bücher wurden aus den Gestellen herausgerissen. Schränke mit Kleidern entleert. Und eine Schublade mit einem Wirrwarr von Medikamentenpackungen gross ins Bild gestellt. Michael Jackson war zu dieser Zeit in Las Vegas mit Filmarbeiten beschäftigt. Er wurde verhaftet. Und körperlich und seelisch gedemütigt. Sein Pass wurde ihm abgenommen. Er musste eine Kaution von 3 Millionen USD hinterlegen.

Was war der Auslöser für die Durchsuchungen?
Bereits 2003 stellte die Jugendbehörde Los Angeles unmissverständlich fest, dass die Anschuldigungen wegen angeblicher Kindsmissbräuche haltlos waren. Diese Behörde konnte nichts, aber gar nichts feststellen. Trotzdem wurde Michael Jackson von der Staatsanwaltschaft Los Angeles 2004 angeklagt. Damit das überhaupt geschehen konnte, wurde vorgängig geltendes Recht in Kalifornien einfach stillschweigend abgeändert. Der Prozess fand 2005 statt und zog sich über ein halbes Jahr hin. Michael Jackson wurde von allen Anklagepunkten (14) freigesprochen. Der korrupte Staatsanwalt Tom Sneddon und die Zeugen der Anklage gehören schon lange vor ein Gericht. Tom Sneddon fälschte Dokumente, manipulierte seine Zeugen zu Falschaussagen und sprach Michael Jackson schon vor Beginn des Prozesses vor den Medien (2400 Journalistinnen und Journalisten waren vor Ort) für schuldig. Diese Aussage wurde von den Medien weltweit ungeprüft verbreitet.

E-Mails an die Redaktion/Chefredaktion - Reaktion

Die elf Fotografien, die 20minuten veröffentlichte, liessen sich nicht ausdrucken. Sie enthielten zu diesem Zeitpunkt keine Bildunterschriften. Also auch keinen Hinweis darauf, dass es sich um eine polizeiliche Durchsuchung handelte. Die Leserinnen und Leser mussten davon ausgehen, dass die Neverland Ranch zu Lebzeiten von Michael Jackson so aussah. „Völlig zugemüllt und verdreckt“. Am Freitag, 8. Juli 2011, habe ich mich deswegen mit einer E-Mail an die Redaktion gewandt (3:13 AM). Und darin den Bericht von Dan Evans vom 19. Juli 2009 erwähnt. „Inside Wacko’s Secret World“. Veröffentlicht in News Of The World.  Meine Vermutung geht dahin, dass der Redaktion von 20minuten dieser Bericht bekannt ist. News Of The World hat über viele Jahre über Michael Jackson unwahre Tatsachen verbreitet. Sein Telefon wurde abgehört. Interviews wurden gefälscht. Nach Jacksons Tod wurden geheime Dokumente zu den Todesumständen veröffentlicht. Fotografien des Sterbebetts veröffentlicht usw. Eine Reaktion der Redaktion von 20minuten erfolgte nicht. Daraufhin habe ich am Sonntag, 10. Juli 2011, eine E-Mail an den Chefredaktor, Marco Boselli (3:38 PM) geschickt. Und ihn auf die Grundsätze des Bundesgerichtes zu journalistischen Ungenauigkeiten hingewiesen. Mit der Forderung: „Dieser Bericht bedarf der Richtigstellung“. Ich habe um eine Rückmeldung gebeten. Die traf am Dienstag, 12. Juli 2011, 4:42 PM, bei mir ein. Vom Unterhaltungschef Bernhard Brechbühl. Der von mir am gleichen Tag eine Rückantwort (19:25) erhielt.
 (Beilage 5: „Inside Wacko’s Secret World“, News Of The World/19. Juli 2009, Beilage 6:  Schriftverkehr mit der Redaktion/Chefredaktion.) 

Da ich am 12. Juli 2011 den ganzen Nachmittag damit beschäftigt war, mir aus dem Internet Fotografien rauszusuchen, die denen der in 20minuten gezeigten entsprechen, weiss ich, dass die Bildunterschriften zu diesem Zeitpunkt noch nicht angebracht waren. Ich musste immer wieder „King of Mess“ anklicken, um Vergleiche zu machen.
( Beilage 7: Kopien 11 Fotografien und 2 zusätzliche der Durchsuchung der Neverland Ranch November 2003.) (Beilage 8: „MailOnline Picture Exclusive. Sheriff’s raid on Michael Jackson’s Neverland Ranch“. ) (Beilage 9: „Reflections On The Dance: Filmmaker Larry Nimmer talks about his time at Neverland and his being hired by Michael Jackson’s defense team“.)

Bildunterschriften von 20minuten
Die Bildunterschriften wurden 6 Tage nach der Veröffentlichung angebracht.
1/24: Hier werden die Betrachtenden auf etwas eingeschworen: „Wer glaubt, dass die Villa des King of Pop stets sauber war, irrt“. Nach 20minuten sind die Bilder aus den Blogsphären aufgetaucht. Einfach so? Als himmlische Botschaften?
 Unter Bild 2/24 steht: „…als im Jahr 2004 ganze 70 Beamten…“. Diese Zeitangabe passt nun nicht mehr mit dem Begleitbericht zusammen. “Was für ein Chaos: Die Fotos in der obigen Diashow zeigen Innenräume der Neverland Ranch anno 2003.“ Als Leserin werde ich dann unter 4/24 und 5/24 belehrt: „Damit keine Missverständnisse entstehen“ „So sah es aus. BEVOR die Beamten mit der Durchsuchung begannen“. Die Redaktion hat also versucht, mit dieser weiteren Falschmeldung ihre Berichterstattung abzusichern.
Bilder 6/24 -8/24: „Grund für den unangenehmen Besuch war…ein 12-jähriger Knabe…der Michael Jackson der sexuellen Belästigung bezichtigte“. Der Sachverhalt stimmt für das Jahr 2003. Michael Jackson wurde aber im Juni 2005 von allen Anklagepunkten freigesprochen. Dies muss im Jahr 2011 ganz sicher erwähnt werden. 
(Beilage 10: Bildunterschriften 20minuten.)

Die Neverland Ranch wurde im Dezember 2004 ein zweites Mal durchsucht. Das wurde von den Medien weltweit in einer kurzen Mitteilung verbreitet. Darüber existieren keine Fotografien.

Eigentlich müsste sich ja nun ein Hinweis finden lassen, wann der Bericht vom 7. Juli 2011 aktualisiert wurde. Um das herauszufinden, habe ich mir noch einmal den Bericht angesehen. In einem Bericht taucht im letzten Absatz eine Zahl zu den Kunstschätzen auf: 640 Millionen Euro. Am oberen Rand mit dem Hinweis: 07. Juli 2011 17.04. Akt. 07.07.2011 17.17. Und in dem anderen: 770 Millionen Franken: 07.Juli 2011. Akt.: 07.07.2011 14.15.
Somit müsste der Text mit Angabe 640 Millionen Euro im Internet stehen. Dem ist nicht so. Für die Anfügung der oben erwähnten Bildunterschriften müsste ja eigentlich auch ein Akt.-Hinweis aufzufinden sein. Dem ist nicht so. 

Michael Jacksons eigene Aussagen zu der Durchsuchung
Am 25. Dezember 2003 wurde er zu den Anschuldigungen wegen angeblicher Kinderbelästigungen von Ed Bradley interviewt. Er berichtete darin auch über die Durchsuchung der Neverland Ranch. CBS strahlte das Interview am 28. Dezember 2003 aus. Das Interview wurde kurze Zeit später von einem Mitglied der Swiss Michael Jackson Community übersetzt. (Beilage 11, Seite 2.)

Begründung der Beschwerde
 Ich werfe der Redaktion (mor) von 20minuten vor, dass sie mit „King of Mess“ unwahre Tatsachen verbreitet hat. Ich werfe der Redaktion vor, dass sie Bildmaterial entstellt und in einen falschen Zusammenhang gebracht hat. Ich werfe der Redaktion vor, dass bei den Bildunterschriften „…ein 12-jähriger Knabe…der Michael Jackson der sexuellen Belästigung bezichtigte“ nicht darauf hingewiesen wurde, dass Michael Jackson im Juni 2005 von einem „Grossen Gericht mit 12 Geschworenen“ freigesprochen wurde.

„King of Mess“ vermittelt über Michael Jackson ein spürbar verfälschtes, empfindlich herabsetzendes Bild.
Ich werfe der Redaktion auch vor, dass der Ort (Neverland Ranch) der aufgefundenen Kunstschätze Spekulation ist. Auch mit dem Hinweis auf RadarOnline ist dieser nicht gesichert. Das hätte als solches so gekennzeichnet werden müssen. Ich werfe der Redaktion vor, dass sie eine Richtigstellung der unwahren Berichterstattung verweigert hat. Michael Jackson ist seit zwei Jahren tot. Er kann sich nicht mehr wehren. 

Bei der Einhaltung zur Wahrung journalistischer Wahrheitspflicht ist es auch völlig unerheblich, ob ich, wie der Unterhaltungschef angibt, ein „leidenschaftlicher Jacko-Fan“ bin. Ich empfinde diese Bezeichnung als respektlos. Als leichtfertig dahergeredet, empfinde ich, dass sich „Angehörige der hiesigen Fan-Community vehement für eine positive Darstellung von Michael Jackson einsetzen“. Der Grund sind die desaströsen Vorkommnisse rund um die Anklagen und Gerichtsverhandlungen und die desaströsen Berichterstattungen in den Medien. Die seit Jahrzehnten ungebremst weiter geführt werden. 

Ich danke Ihnen bereits im Voraus für Ihre Bemühungen. Und hoffe, dass die Redaktion von 20minuten auch vom Schweizer Presserat an ihren journalistischen Berufsethos und die damit verbundene objektive Berichterstattung erinnert wird.

Mit freundlichen Grüssen


Beilagen (11) erwähnt


Jutta Müller, ju.ma.mueller (at) hispeed.ch


20. Juli 2011

 

Hier nun die Stellungsnahme vom Schweizer Presserat vom Dezember 2011.

Die Beschwerde wurde abgewiesen.