Links2

Im Shop bestellen:

featurings-bt cover_bad25
cover_calendar2012 cover_bookmaninthemusic
Header2
Oben_Buttions
Oben_Buttions

cover_bookstartingover
10.07.2011: Jackson.ch Review von La Toya Jacksons "Starting Over"

Am 21. Juni ist La Toya Jacksons Buch "Starting Over" erschienen. Ich weiss nicht, was ich erwartet hatte, aber ich war sehr, sehr skeptisch, was v.a. damit zu tun hatte, dass wir natürlich gewisse Momente wie die 1993 Pressekonferenz, Playboy und sonstige Auftritte, aus der Sicht eines MJ Fans mitbekommen hatten. Ich habe absichtlich keine sonstigen Reviews über das Buch gelesen. Es folgt hier also meine ganz persönliche Meinung, mit der Ihr anfangen könnt, was Ihr möchtet.:-)

Bevor ich näher auf den Inhalt eingehe, möchte ich festhalten, dass das Buch sehr gut und klar geschrieben und aufgebaut ist und es offensichtlich ist, dass Michaels ältere Schwester dieses Projekt sehr ernst genommen hat. In keinem Moment kann gesagt werden, dass es nur darum ging, rasch Geld zu verdienen und von der "Michael Mania", die mit seinem frühzeitigen Tod ausgelöst wurde, profitieren zu wollen. Dies bringt mich gleich zum Inhalt. Für diejenigen, die eine Autobiographie mit Episoden aus der gemeinsamen Kindheit der Jackson Kinder und Familie oder über die Zeit, die La Toya und Michael in New York verbrachten, als Michael für "The Wiz" vor der Kamera stand, erwarten, ist dies nicht das richtige Buch. La Toya hatte Anfang 2008 mit dem Buch zu schreiben begonnen (zusammen mit Jeffré Philipps) und Motivation dafür war, ihre Missbrauchsbeziehung zu ihrem mittlerweile verstorbenen ex Manager und Ehemann, Jack Gordon, zu verarbeiten und mit ihrer offenen, ehrlichen und direkten Erzählweise weiteren Opfern von Missbrauchsbeziehungen zu helfen und ihnen Mut zu geben, sich aus einer solchen mentalen und körperlichen Abhängigkeit zu befreien.

Die ersten knapp 200 Seiten lang berichtet La Toya mit einer geradezu brutalen Offenheit und Direktheit über diese physisch wie auch mental gewalttätige Beziehung. Sie tut das in einer Art und Weise, dass man als Leser mit ihr alles nochmals durchlebt und neben ihr steht und zuschauen (und verstehen) kann, wie es zu dieser verhängnisvollen Beziehung kam, wie sich Jack Gordon nach und nach in ihr Leben eingeschlichen hatte und ihr Leben, ihre Karriere und ihr Geld übernommen und sie von ihrer eigenen Familie abgeschottet hatte. La Toya gibt immer wieder zu, wie naiv sie damals war und damit für Jack Gordon ein willkommene Opfer war. Sie strich auch immer wieder heraus, dass gerade Michael und sie, neben ihrer älteren Schwester Rebbie, die drei Geschwister waren, die am engsten in den Glauben der Zeugen Jehovas von Mutter Katherine eingebunden waren. Durch die damit verbundene Isolation und der mit dem Glauben gelebten Auffassung, dass man den anderen (uneingeschränkt) vertrauen und sie lieben soll, hat dies, so La Toya, sie wie auch Michael immer wieder empfänglich gemacht für geldgierige Geier, die sich bei ihnen einschleichen wollten, um sie zu ihren eigenen Gunsten auszunutzen. Und diese Parallele im Leben der beiden Geschwister nimmt La Toya ab ca. Seite 200 auf und beschäftigt sich dann auf den letzten ca. 140 Seiten u.a. eingehend damit, was sich bei Michael vor allem in den letzten Jahren seines Lebens diesbezüglich abgespielt hatte und wie er von Leuten, die nicht sein Bestes, sondern nur das ihrige im Auge hatten, isoliert und benutzt wurde. Es ist meines Erachtens wichtig zu verstehen, dass La Toya die aus ihrer Sicht bestehenden Beweise präsentiert und berichtet, wie sich Sachen aus ihrer Sicht (insbesondere in den Monate vor Michaels Tod bis zur Veröffentlichung des Buchs) abgespielt hatten. Sie sagt dabei nicht: das ist es und alle anderen haben Unrecht, sondern sie zeigt uns die Ereignisse aus ihrer Sicht auf und erlaubt sich, gestützt darauf (berechtigte) Fragen zu stellen und ihre persönlichen Schlussfolgerungen zu ziehen.

Dem Leser wird damit neben der vorherrschenden Meinung, die seit dem Tod von Michael in den Massenmedien präsentiert wird, ein neuer und persönlicher Blickwinkel offeriert, den er aufnehmen und somit sein eigenes Bild abrunden kann, wenn er möchte -- oder nicht. Ich möchte an dieser Stelle nicht auf Einzelheiten im Buch eingehen, da ich befürchte, dass ich dann am Ende eine seitenlange Zusammenfassung verfassen würde, weil alles eng miteinander zusammen hängt. Ich möchte hier auch nicht sagen, dass Ihr das Buch unbedingt lesen müsst und ich kann verstehen, wenn einige von Euch noch immer ihre Probleme damit bzw. mit La Toya haben. Es ging mir bis vor kurzem nicht anders und ich habe mich am Ende entschieden, es im Rahmen meiner Funktion für jackson.ch zu lesen. Auch wenn ich persönlich meine Probleme damit habe, dass La Toya diese Beobachtungen und Annahmen vor Prozessbeginn gegen Dr. Murray veröffentlicht hat und somit den Fall der Staatsanwaltschaft kaum einfacher macht (denn auch wenn Dr. Murray aus ihrer Sicht nur der "fall guy" ist, so muss er für seine bewiesene Inkompetenz und sein vermeintlich unseriöses Verhalten als Arzt seinem Patienten gegenüber gerade stehen -- ungeachtet dessen, was sich evt. in einem grösseren Zusammenhang noch abgespielt hat), kann ich am Ende dennoch sagen, dass ich es gut finde, dass La Toya dieses Buch geschrieben hat. Und ich hoffe, dass ich Euch mit diesem Review zumindest eine bessere Idee geben konnte, worum es in dem Buch geht und wie es geschrieben ist.

Und für diejenigen, die sich gewundert haben, ob La Toya nun schreibt, wen sie (indirekt) für den Tod von Michael verantwortlich macht und weshalb. Ja, es wird aus dem Text klar, wer aus ihrer Sicht wieso am frühzeitigen Tod ihres Bruders mitschuldig sein soll. Die Namen sind uns bereits geläufig, aber es werden zusätzliche Informationen geliefert und Annahmen gemacht, die deren Rolle und Motive genauer aufzeigen sollen. Was am Ende dran ist bzw. wie sich das alles wirklich abgespielt hatte, wissen nur die Beteiligten. Und der Hauptbeteiligte ist leider nicht mehr unter uns.


Wer am Buch interessiert ist, kann es hier auf Amazon.de bestellen.




Quelle: jackson.ch/pf