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16. Dezember 2002: Interview mit Jermaine Jackson

Übersetzung von Vanita Balfer - forevermichael@gmx.de

Jermaine Jackson sprach mit Connie Chung auf CNN, gab Einsicht in das Leben der Familie Jackson und verteidigte seinen Bruder Michael trotz der wiederholten Provokationen der Interviewerin.
Im Vorfeld war Michael Jackson negativ in den Schlagzeilen, nachdem er bei seinem Berlin-Aufenthalt (klick für mehr Infos!) sein jüngstes Kind etwas riskant den Fans zeigte... Zu dieser Zeit befand er sich auch vor Gericht in dem Streit mit Marcel Avram um die abgesagten Millenniums-Konzerte.
In diesem Interview klärt Jermaine ausserdem auf, wen Michael Mitte 2002 meinte, als er Tommy Mottola vorwarf über einen Künstler rassistisch gesprochen zu haben.

 


Chung
: Wenige Menschen können uns mehr sagen als Michaels älterer Bruder, Veteran der Jackson Five und seiner eigenen Solokarriere, Jermaine Jackson, der uns jetzt von Los Angeles zugeschaltet ist. Jermaine, vielen Dank für Deine Teilnahme und Gesprächsbereitschaft. Ich weiß, Du hast dieses Bild von Deinem Bruder, der sein Baby über diesen Balkon hält, immer wieder gesehen. Was, denkst Du, war los?
J. Jackson: Nun, Connie, wie schon gesagt, es war nicht Michaels Absicht, sein Kind zu verletzen. Es lag einfach an dem Moment. Und ich werde es wieder sagen. Man beurteilt Menschen nach ihren Absichten. Er ist ein wundervoller Vater. Er ist ein großartiger Dad. Er ist großartig zu unseren Kindern, meinen Kindern. Und das war nicht im geringsten seine Absicht. Und ich denke, die Medien haben das Ganze aus dem Kontext gerissen. Ja, es war nicht das klügste, was er tun konnte. Aber gleichzeitig war er so aufgeregt. Aber sie haben nie die über 60.000 Fans da unten gezeigt, die durch seine Anwesenheit so aufgeregt waren.
Chung: Aber Jermaine, Du hast sieben Kinder. Du würdest so etwas niemals tun, oder?
J. Jackson: Connie, wir alle haben schon falsche Entscheidungen getroffen. Wir alle haben schon unsere Kinder genommen und in die Luft geworfen. Und jetzt finden wir heraus, dass das nicht gut ist, richtig?
Chung: Nun,aber ich denke nicht - als Elternteil könnte ich mir nicht mal vorstellen, meine Kinder auch nur so nah an den Balkon zu bringen.
J. Jackson: Nein. Worum es geht, ist, von der Aufregung gefangen zu sein. Und er sagte, dass er aufgeregt war wegen der Kinder da draußen. Und dass es nicht seine Absicht  war, sein Kind zu verletzen. Wirklich, das war es nicht.
Chung: Dein Bruder ist in letzter Zeit einige Male vor Gericht gewesen. Und sein Verhalten war irgendwie komisch. Er hat sozusagen Fratzen geschnitten wie der Teufel. Und, was denkst Du, hatte das alles zu bedeuten?
J. Jackson: Das war während der Pause. Und es waren ein paar Fans im Gerichtssaal. Und er sagte Hi zu ihnen. Und sie schnitten ihm Fratzen. Und er hat ihnen auch Fratzen geschnitten. Aber so, wie das gezeigt wurde,als ob er dem Richter oder wem immer Fratzen geschnitten hätte, Das war nicht der Fall. Aber die Dinge werden immer falsch gezeigt, denn das ist passiert. Ich glaube, sein Bewusstsein ist zu einer Bedrohung der Gesellschaft da draußen geworden. Und deswegen wird alles, was er tut, falsch dargestellt.
Chung: Was meinst Du damit, dass sein Bewusstsein zu einer Bedrohung der Gesellschaft geworden ist?
J. Jackson: Das heißt, dass Michael sich selbst in eine Position gebracht hat, in der er finanziell stark und unabhängig ist. Und sie erzählen Sachen. Ich meine, Ich habe den Clip, den Ihr gezeigt habt, nicht gesehen. Aber von Rassismus zu sprechen, ja, es gab Worte, die Tommy Mottola mit einem Rapper als fettes schwarzes "N-Wort" in Verbindung brachten. Und wir wissen, dass dieses Album - ich meine, Ihr habt die Zeitungen in New York gesehen. 
Chung: Nun, jetzt hast Du das Thema gewechselt. Und ich möchte unseren Zuschauern nur klarmachen, dass ...
J. Jackson: OK, ich bringe das zu Ende. Irv Gotti wurde als fetter schwarzer Nigger bezeichnet, Irv Gotti. Und sowas passiert. Ich meine, wir sehen uns die Enron-Situation an. Die Musikbranche ist genauso. Und dann war etwas mit seinem Album, und er gibt Sony die Schuld für die Verkaufszahlen. Aber es beschweren sich auch eine Menge anderer Künstler über die Verkaufszahlen.
Der Verkauf war in den letzten drei Monaten einfach so, Sony hat 45 bis 50 Millionen Dollar Verlust gemacht. Also, wessen Schuld ist es?
Chung: Nun, Jermaine, ich weiß. Nur damit wir unseren Zuschauern das klarmachen können, er sagte sein Musikproduzent Tommy Mottola sei ein Rassist. Aber das ist ein anderes Thema. Ich rede nur über das Verhalten Deines Bruders, das - meinst Du nicht, es war etwas seltsam?
J. Jackson: Aber, Connie, wenn Du einen Clip zeigst und sagst, er bezeichne jemand anders als Rassisten, dann muss ich das verteidigen, denn mein Bruder wurde nicht dazu erzogen rassistisch zu sein. Er wurde nicht dazu erzogen, irgendjemanden so zu beschuldigen.Aber wenn jemand, jemand anders so bezeichnet, muss man das erklären. Ich meine, Michael verhält sich nicht anders als - nimm die Einsteins, die als Genies betrachtet werden. Aber sie halten ihn für verrückt. Sie haben nie über Michelangelos Aussehen gesprochen. Und er hat sein Aussehen viele, viele Male verändert, aber er hat einige unglaubliche Werke geschaffen. Nimm William Shakespeare, bei dem nie darüber gesprochen wird, wie er aussah. Und ich denke, das ist einfach - lasst ihn in Ruhe. Lasst ihn in Ruhe. Ja, wir sind eine Familie. Wir sind eine Familie. Und er ist ein Familienmitglied.
Chung: Ich verstehe, was Du sagst. Ich glaube, die einzige Sorge, die die Leute da draußen haben ist, natürlich kann er tun, was immer er will, weil er sich das Recht dazu verdient hat. Aber die Leute sind besorgt um seine Kinder
J. Jackson: Nein, seinen Kindern geht es gut. Und, Connie, all die Jahre haben wir sehr, sehr hart gearbeitet. Ich habe unsere Familie als Eiche gesehen. Es gibt starke Wurzeln, starke Wurzeln, die tief, tief, tief reichen. Und es ist ein schöner Baum. Es gibt viele verschiedene Zweige. Es gibt viele verschiedene Familienmitglieder. Aber trotzdem ...
Chung: Siehst Du ihn eigentlich oft mit der Familie?
J. Jackson: Ja, ja, ja.
Chung: Wie oft siehst Du ihn? Wie oft trifft sich die Familie?
J. Jackson: Connie, wir sind Brüder und Schwestern. Wir treffen uns, genau wie jede andere Familie. Wir haben einen Familientag, an dem wir uns treffen. Er bringt seine Kinder mit. Wir spielen. Ich habe Kinder im Alter seiner Kinder. Und sie spielen zusammen. Aber ich denke, die Medien kommen an einen Punkt, an dem sie jemanden treten wollen, wenn sie denken, er oder sie ist am Boden. Nein, es ist noch nicht vorbei. Wir werden niemals fertig. Wir nehmen uns einfach unsere Zeit, und wir machen eine Pause, und wir kommen zurück. Und Michael geht es gut.
Chung: The Jackson Five 1969, als sie sich in "The Ed Sullivan Show" ihren Weg ins Licht der Öffentlichkeit sangen mit"I Want You Back." Jetzt mit Jermaine Jackson, zusammen mit Emil Wilbekin, dem Chefeditor des "Vibe"-Magazins, das vor kurzem ein Interview mit Michael Jackson abdruckte. Sag mir, welchen Eindruck hattest Du von Michael Jackson nach diesem Interview?
Emil Wilbekin: Nun, es war eine Art Basicinterview, wir sprachen über Michaels Einflüsse, welche Musik er mag. Mag er Hiphop, denn Jay-Z hat ihn zu einem riesen Hiphop-Konzert hier in New York mitgenommen? Wir sprachen über Musik, was seine Einflüsse waren. Und dann fragten wir ihn Dinge wie, was er in seiner Freizeit tut. Er sagte, er hat gerne Ballonkämpfe mit seinen Kindern im Hof, solcher Kram. Er sprach über den 11. September, nach dem Konzert, wie er sich mit Elizabeth Taylor versteckt hat, solche Dinge. Es waren also eher grundlegende Fragen. Er wollte nicht über Schönheitsoperationen oder seine Aufbesserung sprechen. Und das sagte er sehr deutlich. Aber hauptsächlich war er sehr, sehr professionell. [...] Wir waren positiv überrascht.
Chung: Denkst Du, er war normal-ig? Oder war er ungefähr so bizarr wie sonst in letzter Zeit?
E. Wilbekin: Nun, zu diesem Zeitpunkt hat er keine dieser bizarren Sachen gemacht, die wir aus den Medien kennen. Er war etwas mehr "behind the scenes". Das Album war gerade rausgekommen. Und er hat das Album sozusagen beworben. Wir haben also nichts über Rassismus bei Sony gehört, oder Beschwerden über sein Album und wie die Dinge liefen. Ich wusste, dass er ein paar finanzielle Probleme hatte. Und wir sprachen ein kleines bisschen darüber. Aber das war sehr grundsätzlich.
Chung: Was denkst Du über sein bizarres Verhalten in letzter Zeit?
E. Wilbekin: Ich bin mir nicht ganz sicher. Es ist irgendwie verwunderlich, denn es ist irgendwie, als würde man diesen Pop-Superstar, der in seiner Jugend quasi implodierte und sozusagen zusammenbrach. Das Babyfoto in der Zeitung war sehr erschütternd. Und an dem Tag war ich bei einem Fotoshooting für das Magazin. Und alle waren wirklich erschüttert, das auf den Titelseiten der New Yorker Magazinen zu sehen, denn es ist so ein gruseliger Gedanke. Und dann, weil Tage später, die Kinder im Zoo mit ihren Burkas zu sehen und all diese bizarren Sachen, macht irgendwie traurig.
Chung: Jermaine, Du hast gerade gehört, was Emil Wilbekin sagte. Und ich frage mich, wie Du darauf reagierst? Und ich denke, ehrlich gesagt, Jermaine, das denken die Leute über Michael.
J. Jackson: Nun, ich sage Dir, Connie, heutzutage haben wir Probleme mit Kidnapping und solchen Dingen. Außerdem gibt es das Problem, dass den Kindern die Chance genommen wird, rauszugehen und ein Teil der Gesellschaft zu sein. Gleichzeitig glaube ich, das - wir sprechen über Schönheitsoperationen und dies und das. Wenn jeder Hollywood verlassen würde, der eine Schönheitsoperation hatte, wäre niemand mehr hier.
Also können wir hier nicht über Schönheitsoperationen reden. Worüber wir sprechen müssen: beurteilt ihn nach seiner Musik. Beurteilt ihn danach, was er getan hat. Denn ich sage es wieder: Leonardo da Vinci, der Dyslexie [Leseschwäche] hatte, der einige unglaubliche Dinge erfunden hat. Aber wir nehmen jemanden, von dem wir denken - wir bauen sie auf, und dann zerfleischen wir sie. Und ich denke nicht, dass das fair ist. Ich meine, ja, das mit dem Kind war nicht gerade die weiseste Sache. Aber er kam raus, und er sagte, er sei im Moment gefangen gewesen. Aber gleichzeitig, wenn wir ihm in die Augen sehen und ihn sprechen hören und wir sein Herz hören, dann ist er unser Bruder. Und wir müssen das realisieren - seht auf die guten Dinge, die er getan hat. Und wir haben vor, weiterhin großartige Dinge zu tun. Und ob sie reden oder nicht, beurteilt uns nach unserer Musik. Habt Ihr je gesagt, wir hätten eine schlechte Show gemacht, oder er hätte eine schlechte Aufnahme gemacht? Nein nein.
Chung: Jermaine.
J. Jackson: Und - sprich weiter.
Chung: Du hast erwähnt - Du hast die Schönheitsoperationen angesprochen. Und Du hast was Lustiges gesagt. Und Du hast wahrscheinlich recht. Niemand wäre mehr in LA. Aber Dein Bruder hat Oprah Winfrey erzählt, dass - lass mich mal sehen, seine Worte waren ...
J. Jackson: Vitiligo.
Chung: Nun, und dass er mit seinem Aussehen nie zufrieden war. Also, warum, denkst Du, hatte er so viele Operationen?
J. Jackson: Nun, ich sage Dir, Connie, Vitiligo, das ist eine Entfärbung der Haut - es ist eine Krankheit, die sozusagen die Pigmentierung der Haut auffrisst.
Chung: Ja. Ja.
J. Jackson: Aber gleichzeitig gibt es Leute, die in die Sonne gehen und dunkler werden wollen. Ich denke, wenn ich etwas an mir falsch finde oder etwas verbessern will, würde ich eine Veränderung vornehmen. Du würdest das auch machen, ob es nun eine Frisur ist, oder dies oder das. Aber ich denke, weil er im Rampenlicht steht und wegen dem, was er ist, wird jede Kleinigkeit aus dem Kontext gerissen.
Chung: Jermaine ...
J. Jackson: Wir lieben ihn gleichermaßen. Wir lieben ihn gleichermaßen. Er ist Michael. Er ist der großartigste Dad. Und die Fans fühlen nicht so. Es sind die Medien, die irgendwie versuchen, ihn als "Wacko Jacko" zu zeigen und all diese verrückten Namen. Es ist einfach verletzend.
Chung: OK. Jermaine Jackson, vielen Dank, dass Du hier warst. Und Emil, auch Dir danke.