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Im April 1999 setzten sich Elizabeth Taylor und Michael Jackson mit dem amerikanischen Journalisten Paul Theroux von der Zeitschrift "Talk" zusammen. Dabei kamen zwei interessante Interviews zustande:



Elizabeth Taylor


Paul Theroux: Finden sie, dass Michael Jackson sehr exzentrisch veranlangt ist? Stört sie das?
Elizabeth Taylor: Michael ist magisch. Und alle magischen Personen sind in einem gewissen Masse exzentrisch. Michael ist eine der liebenswertesten, nettesten und natürlichsten Personen, die ich je geliebt habe. Ich habe ihn tief in mein Herz geschlossen. Ich würde alles für ihn tun und er alles für mich.

Wie haben sie Michael näher kennengelernt?
Eines Tages hat Michael mir 14 Eintrittskarten für ein Konzert der Bad Tour zugeschickt. Das war am 27. Februar, meinem Geburtstag. Ich kannte ihn nur wenig und war von seinem Geschenk überrascht. Ich habe meine Familie zu dem Konzert mitgenommen, und wir haben auf den für VIP`s reservierten Sitzen Platz genommen. Sie waren weit von der Konzertbühne entfernt und durch Glasfenster geschützt. Wir hätten das Konzert auch im Fernsehen anschauen können...
Deshalb sind wir wieder gegangen. Michael hat mich am Tag darauf angerufen. Er war in Tränen aufgelöst und hat mir gesagt: "Es tut mir so leid. Ich hasse mich" Wir haben an diesem Tag zwei Stunden miteinander telefoniert. An den Tagen danach haben wir häufiger am Telefon miteinander gesprochen. Drei Monate lang ging das so. Wir haben uns über das Telefon kennengelernt. Eines Tages hat Michael mir dann vorgeschlagen, bei mir vorbeizuschauen. Ich war damit einverstanden. Er hat mich gefragt, ob er seinen Schimpansen mitbringen könnte und hat mich dann mit Bubbles besucht. Danach haben wir uns nicht mehr aus den Augen verloren. Kürzlich wollten wir sogar zusammen nach Südafrika fahren.

Um den Präsidenten Mandela zu treffen?
Ich nenne ihn Nelson. Er hat mir das angeboten. Nelson hat angerufen und mich gebeten, mit Michael vorbeizukommen. Wir telefonieren öfter miteinander...

Sehen sie Michael oft?
Häufiger als man denkt. Mehr als ich manchmal selbst den Eindruck habe! Wir verkleiden uns und gehen dann zusammen ins Kino. Wir setzen uns in die letzte Reihe und halten uns die Hand während des Films. Michael ist im Umgang mit allen Dingen sehr natürlich, er ist gleichzeitig liebevoll und kindlich. Wir haben beide diesen Charakterzug und können uns damit identifizieren. Wir haben viel Spass miteinander, wir spielen ganz einfach.



Michael Jackson


Paul Theroux: Haben sie viel Spass mit Liz?
Michael Jackson: Ja, Wir versuchen, der Realität zu entfliehen und einen Traum zu leben, Wir machen fantastische Picknicks... Mit ihr kann ich mich wirklich entspannen, da wir das Gleiche erlebt, die gleichen Erfahrungen gemacht haben.

Das heisst?
Die gleiche Tragödie, die jeder Kinderstar durchmacht. Wir mögen das Gleiche: Zirkus, Vergnügungsparks, Tiere.

Wie würden sie Elizabeth beschreiben?
Sie ist wie eine warme, weiche Decke, in die man sich gerne hineinkuschelt. Ich kann ihr alles anvertrauen, ihr alles sagen. In meiner Branche kann man eigentlich keinem vertrauen.

Warum?
Weil man seine echten Freunde nicht kennt. Wenn man sehr populär ist, hat man viele Menschen um sich. Trotzdem ist man isoliert und der Erfolg ist wie ein Gefängnis. Man kommt da nicht mehr raus und kann kein normales Leben mehr führen. Man steht ständig unter Beobachtung.

Haben sie das so erlebt?
Oh, sehr häufig. Man will wissen, was ich lese, was ich kaufe. Die Leute wollen einfach alles wissen. Paparazzi warten ständig vor meiner Tür. Sie drängen sich in mein Privatleben und verzerren die Realität. Sie sind ein echter Alptraum für mich. Elizabeth hingegen mag mich, liebt mich wirklich.

Ichh habe ihr gesagt, dass sie wie Peter und Wendy (Peter Pan, Red.) seien.
Aber Elizabeth ist auch wie eine Mutter für mich und noch mehr als das. Sie ist eine Freundin, Mutter Theresa, Prinzessin Diana, die Königin von England und Wendy.

Lassen sie uns noch etwas über Popularität sprechen.
Viele Stars berauscht das. Sie kontrollieren sie nur schlecht. Ihr Adrenalinspiegel ist nach jedem Konzert auf dem Höhepunkt. Obwohl es zwei Uhr morgens ist, ist man in Topform, nach jedem Konzert schwebt man auf Wolken.

Was machen sie, um diesen Zustand unter Kontrolle zu bringen?
Ich schaue mir Zeichentrickfilme an oder spiele Videogames. Manchmal lese ich auch. Ich lese gerne Novellen oder auch andere Sachen.

Welche Schriftsteller?
Somerset Maugham. Whitman. Hemingway. Twain.

Was für Videogames...
Ich mag "X-men", "Flipper", "Jurassic Park" und Kampfspiele wie "Mortal Kombat". Im allgemeinen nehme ich sie auf jede Tour mit.

Wie bekommen sie das hin? Das sind doch eher ziemlich grosse Maschinen, nicht wahr?
Ach, wir reisen mit zwei Frachtflugzeugen.

Haben sie bereits einen Song geschrieben und dabei an Elizabeth gedacht?
Childhood.

In diesem Song singen sie: "Have you seen my childhood?"
Stimmt. Das geht so... (Michael beginnt zu singen) "Before you judge me, try hard..."

Habe ich diesen Song nicht in einer der Attraktionen in Neverland gehört?
ja, stimmt!

Sie haben mir gesagt, dass Elizabeth für sie eine Inspirationsquelle ist, weil sie ihre Familie bereits im Alter von 9 Jahren unterstützt hat...
Bei mir war das genauso. Mein Vater kassierte mein Geld ein. Ein Teil der Einkünfte wurde für mich zur Seite gelegt, aber viel Geld floss auch in die Familie und ich musste sehr viel arbeiten.

Wenn sie noch einmal von vorne anfangen könnten, was würden sie diesmal anders machen?
Auch wenn ich vieles verpasst habe, würde ich nichts anders machen.

Ich höre ihre Kinder nebenan. Wenn sie eines Tages den gleichen Beruf wie sie ausüben möchten, was sagen sie ihnen dann?
Sie können machen, wozu sie Lust haben. Wenn sie diesen Beruf ausüben möchten, dann stört mich das nicht.

Wie werden sie ihre Kinder erziehen? So wie sie erzogen worden sind?
Sie werden mehr Zeit haben, um sich zu amüsieren und mehr Liebe bekommen. Ausserdem werde ich sie nicht von der übrigen Welt abschneiden.

Elizabeth hat mir gesagt, dass es für sie schwierig ist, in die Vergangenheit zurückzuschauen. Gilt das auch für sie?
Nein. Das ist nicht schwierig für mich, wenn ich in der Gesamtheit daran denke. Es wäre schwieriger, wenn ich nur an ganz bestimmte Momente denke.

Was wollen sie mit "in der Gesamtheit" ausdrücken?
Wenn ich an meine Kindheit denke, dann an meine gesamte Kindheit.

Es gibt Momente in der Kindheit, in denen man ganz besonders empfindlich ist. Ist ihnen das auch so ergangen?
Manchmal mussten wir mitten in der Nacht, so gegen zwei Uhr morgens, aufstehen, um uns zu einer Veranstaltung zu begeben. Mein Vater zwang uns förmlich dazu. Ich war sieben oder acht Jahre alt. Es handelte sich um kleine Konzerte in Diskotheken oder bei Privatveranstaltungen. Wir zogen unsere Show ab. Ich hatte bereits geschlafen und hörte die Stimme meines Vaters: "Aufstehen! Wir haben einen Auftritt!"

Haben sie denn bei den Vorstellungen nicht eine gewisse Erregung gespürt?
Doch. Ich liebte die Auftritte, mochte Konzerte. Den Kontakt zu den Leuten habe ich allerdings nie gemocht, ich hasse es, Leute nach dem Konzert zu treffen. Das macht mich ganz unsicher. Ich weiss nicht, was ich sagen soll.

Sie haben sich aber trotzdem dazu entschlossen, das Interview mit Oprah Winfrey zu machen, nicht wahr?
Ja, das mit Oprah das war schwierig, weil es im Fernsehen war. Ich war nicht in meinem Element. Ich wusste, dass alle mir zuschauen und mich kritisieren würden. Das ist nicht einfach...

Haben sie erst seit kurzem den Eindruck, dass sie ständig unter Beobachtung stehen?
Nein. Den Eindruck hatte ich schon immer.

Deshalb war es sicher ideal für sie, Elizabeth erst am Telefon kennenzulernen, bevor sie sie wirklich getroffen haben.
Stimmt.