zurück zu: Interviews



Am 10. Februar 1993 wird live von der Neverland Valley Ranch in die ganze Welt "Michael Jackson Talks... To Oprah Winfrey" ausgestrahlt. Das 90 minütige Live-Interview wird alleine in den USA von über 85 Millionen Menschen gesehen!!! Es war die erfolgreichste BBC Unterhaltung überhaupt.
Lies hier nach, was sich an diesem Abend in Kalifornien abspielte...



(vor Beginn des Interviews wird ein Video mit Aufnahmen von seinen Anfängen mit den Jackson 5 gezeigt. Der Karrierebeginn wird geschildert.)


Oprah Winfrey: Meine Damen und Herren, Michael Jackson:
(Michael Jackson betritt den Raum und begrüsst Oprah. Sie nehmen anschliessend Platz auf zwei Stühlen.)

Nun, wie nervös bist du jetzt?
Michael Jackson: Wie, was?

Nun, wie nervös bist du jetzt?
Ich bin überhaupt nicht nervös!

Wirklich nicht?
Nein, ich werde nie nervös.

Tatsächlich nicht? Noch nicht einmal für das erste Interview, das Live in die ganze Welt ausgestrahlt wird?
Nein.

Nun, das ist gut. Ich hatte gedacht, du wärst ein wenig nervös, aber wenn du nicht nervös bist, dann bin ich es auch nicht! Ich will der Öffentlichkeit nur mitteilen, dass als wir dieses Interview vereinbarten, du dich bereit erklärt hast, mit mir über alles zu reden und dass wir im Vornherein keine einzige Frage besprochen haben, die hier heute Abend gestellt wird.
Ja das ist völlig richtig.

Als wir und ich dich eben beobachtet haben, als wir eben das Video aus den frühen Jahren gesehen haben, hat es da in dir Erinnerungen hervorgebracht?
Ja, ich musste schon kichern, denn das Material habe ich schon lange nicht mehr gesehen und das hat tatsächlich Erinnerungen zurückgebracht. Ich und meine Brüder, die ich sehr liebe. Es war ein schöner Augenblick für mich!

Ich habe gesehen wie du gelacht hast als du Baby, Baby, Baby gesungen hast!

Ja, ich finde James Brown ist ein Genie, Als er bei der Famous Flames war, da war er einfach unglaublich! Ich hab ihn immer im Fernsehen beobachtet und ich war jedesmal wütend über den Kameramann, denn wenn James anfing zu tanzen, hat man nur eine Grossaufnahme seines Kopfes gebracht und ich konnte seine Füsse nicht sehen. Ich habe also Dinge nach dem Fernsehapparat geworfen. Ich wurde richtig wütend, ich habe immer gerufen, zeigt ihn doch ganz, dass ich jetzt beobachten kann und davon lernen kann!

War James Brown also ein grosses Vorbild für dich?
Ja, phänomenal sogar!

Wer sonst noch?
Jackie Wilson, den ich als Entertainer bewundere und dann den Musikbereich Motown und die Bee Gees, die brillant waren, ich liebe einfach tolle Musik.

Wenn ich diese Bänder von dir anschaue und ich muss bei der Vorbereitung so ziemlich alles gesehen haben, was von dir jemals aufgenommen wurde! Wenn ich diese Bänder also anschaue, vor allen Dingen in den früheren Jahren, so scheinst du auf der Bühne so regelrecht zum Leben zu erwachen! Irgend etwas geschieht dann mit dir, als du ein kleiner Junge auf der Bühne warst. Warst du so glücklich wenn du auf der Bühne standest wie, wenn du neben der Bühne standest?
Hmm... auf der Bühne, das war für mich Zuhause sein, ich habe mich immer am wohlsten gefühlt und ich fühle mich auch jetzt immer noch am wohlsten, wenn ich auf der Bühne bin. Aber wenn ich dann von der Bühne runter kam war ich sehr traurig.

Tatsächlich?
Ja

War das schon von Anfang an so, dass du traurig warst?
Einsam, ich war immer traurig. Ich musste mit meiner Popularität zurechtkommen und ähnlichen Problemen. Es hat auch tolle Zeiten gegeben mit meinen Brüdern, wenn wir zum Beispiel Kissenschlachten gemacht haben. Aber ich habe immer geweint aus lauter Einsamkeit!

Tatsächlich? In welchem Alter hat das angefangen?
Oh, als ich noch sehr klein war, so mit acht, neun vielleicht.

Das heisst, als ihr langsam berühmt wurdet?
Ja.

Hmm, das sah da drin vielleicht ganz anders aus als nach draussen, ich weiss noch, ich war damals ein kleines, schwarzes Mädchen und ich wollte Jackie Jackson, deinen Bruder heiraten! Also für uns schien es das tollste in der Welt zu sein, wer wollte dieses Leben schon nicht haben?
Es ist auch ein wunderbares Leben, man reist durch die Welt, man sieht Dinge, man trifft Leute man ist an tollen Orten! Es ist toll aber da gibt es auch noch die andere Seite, darüber beschwere ich mich aber nicht, es gibt viele Probenarbeiten und man muss seine Zeit dafür aufgeben, sich selbst aufgeben.

Ich habe kürzlich mit Susan de Passe gesprochen. Susan de Passe hat ja viel mit euch zusammengearbeitet, inzwischen bei Motown, wo sie euch die Form gebracht hat und eure Outfits für die Ed Sullivan Show ausgesucht hat. Und Susan hat einige interessante Theorien über deine Kindheit gehabt. Wir haben darüber gesprochen, ob sie tatsächlich verloren war, war sie es?
Nun jetzt erkenne ich und damals hab ich es auch erkannt, dass ich zunächst einmal meinen Unterricht von einem Privatlehrer bekam und dann ging ich gleich ins Aufnahmestudio um Aufnahmen zu machen. Und das habe ich dann Stunde um Stunde gemacht, bis es Zeit war um schlafen zu gehen. Ich ging dann also wirklich bis Abends und ich erinnere mich daran, dass auf dem Weg zum Aufnahmestudio ein Park lag und ich sah dort die Kinder, die dort spielten, kämpften und Lärm machten. Und ich habe geweint, war traurig weil ich statt dessen arbeiten gehen musste.

Hören wir uns mal an, was Susan über dich gesagt hat und sehen uns ein paar Bilder von dir, als einen kleinen Jungen, an.
Okay, alles klar.


(In einem Video spricht Susan de Passe über den kleinen Michael. Ihre Aussagen werden mit Aufnahmen der Jackson 5 unterlegt.)


Susan hat gesagt, das war ein hoher Preis. Ich möchte wissen, wie hoch der Preis war, die Kindheit zu verlieren oder diese Art von Leben zu leben?
Nun, man kann nicht alle Dinge machen, die andere Kinder tun. So die einfachen Dinge, die sie als selbstverständlich hinnehmen... Freunde zu haben, Kinderpartys zu haben, das hat es für mich alles nicht gegeben. Ich habe überhaupt keine Freunde gehabt, vielleicht meine Brüder.

Ich weiss nicht, als Kinder haben wir ja gespielt, haben mit Puppen gespielt und jedes Kind braucht doch einen Ort, wo es sich hinzuziehen kann, eine Kinderwelt, Kinderfantasie... Konntest du das jemals machen?

Nein und deshalb glaube ich auch, weil ich das nie gehabt habe, ich jetzt versuche das zu kompensieren.

Tatsächlich?
Die Leute fragen sich, warum ich mich immer mit Kindern umgebe. Nun das was ich niemals hatte, das finde ich durch die Kinder, Disneyland und andere Unterhaltungsparks, Spielautomaten, all das habe ich nicht gehabt, denn als ich klein war, da hiess es von Morgens bis Abends immer nur Arbeit, Arbeit, Arbeit... von einem Konzert zu einem anderen. Wenn es kein Konzert war, dann war es das Aufnahmestudio, wenn es das nicht war, waren es Fernsehauftritte, Interviews, Fotoshessings... es gab also immer irgend etwas zu tun.

Smokey Robinson und andere Leute haben über dich gesagt, du seist eine alte Seele in einem kleinen Körper.
Ja, das hab ich häufig gehört! Andere Leute haben auch gesagt, ich sei ein 45 jähriger Zwerg. Überall wo ich hingekommen bin, habe ich das gehört. Ich habe aber nie darüber nachgedacht. Genauso wie Leute mich fragten, als du klein warst und als du angefangen hast zu singen, wusstest du da, wie gut du warst? Und ich habe gesagt, ich habe nie darüber nachgedacht, ich habe es nur gemacht und es ist einfach natürlich rausgekommen.

Und hier bist du als Michael Jackson. Ihr hattet grosse Hits und du hast geweint, weil du nicht sein konntest wie andere Kinder.
Nun, ich liebe das Showgeschäft und ich liebe es immer noch, aber es gibt Zeiten, wo man spielen möchte, wo man Spass haben möchte und das hat mich traurig gemacht, dass ich das nicht konnte. Wir sollten irgendwann einmal nach Südamerika fliegen und alle haben gepackt. Die Autos standen mit laufendem Motor da und ich habe mich versteckt und ich habe geweint während ich mich versteckt habe, weil ich nicht gehen wollte. Ich wollte spielen, ich wollte nicht mitgehen.

Waren deine Brüder neidisch, als du die ganze Aufmerksamkeit auf dich gezogen hast?
Nein

Du hast nie ihren Neid empfunden?
Nein, die waren immer glücklich, dass ich bestimmte Dinge machen konnte. Nein ich hatte nie das Gefühl, dass sie neidisch waren.

Meinst du, sie wären jetzt neidisch?
Ich glaube es nicht... Nein.

Welche Beziehungen hast du zu deiner Familie? Seid ihr immer noch sehr eng miteinander verbunden?
Ich liebe meine Familie sehr. Ich wünschte, ich könnte sie öfters sehen als ich das kann. Aber da wir eine Showbuisness - Familie sind und wir alle arbeiten, verstehen wir das. Wir haben einen Familientag wo wir alle zusammenkommen entweder bei Jermaine oder bei Marlon oder bei Tito. Und wir kommen dann alle zusammen, amüsieren uns zusammen, reden miteinander, informieren uns darüber was in der letzten Zeit passiert ist.

Du bist nicht sauer über La Toya und La Toyas Buch und das, was La Toya über die Familie gesagt hat?
Nun, ich habe La Toyas Buch nicht gelesen. Ich weiss einfach nur, dass ich meine Schwester sehr liebe. Ich liebe La Toya . Das werde ich auch immer tun. Ich kenne sie als die glückliche, als die liebende La Toya mit der ich aufgewachsen bin. Ich kann diese Frage also nicht beantworten.

Meinst du, dass einige der Dinge, die sie gesagt hat, wahr sind?
Das kann ich nicht beantworten, ganz ehrlich, ich habe das Buch nicht gelesen! Das ist die Wahrheit.

Nun gehen wir einmal zurück zu der Zeit wo du aufgewachsen bist und als du dieses Gefühl dieser Verlorenheit hattest, als es niemand anderen gab mit dem du spielen konntest als zum Beispiel deine Brüder. Du hattest auch niemals Kinderpartys?
Nein, niemals.

Ich frage mich, du warst doch dieser niedliche, kleine Junge, den alle mochten und jeder kam zu dir und hat dich in die Wange gekniffen, hat gesagt, wie niedlich. Du warst also regelrecht ein Wunderkind! Wie hat das Erwachsen-werden dich beeinflusst? Das nenne ich also die sogenannte "Entenfase" wo man über alles nur kichert und lacht. Und ich frage mich, als du  in dieser Phase kamst, in die Pubertät, nach dem du ja schon ein Superstar warst, war das nun eine besonders schwere Zeit für dich?

Ja sehr schwierig, sehr schwierig. Denn jeder Kinderstar leidet durch diese Phase. Du bist ja nicht mehr das kleine, niedliche Kind, das du warst, du wächst heran aber man möchte dich klein und niedlich behalten und zwar für immer.

Wer ist "man"?
Die Öffentlichkeit und die Natur nimmt einfach ihren Lauf...

Ja, Tatsächlich
...ich hatte so schlimme Pickel und ich sah so schlimm aus. Ich habe mich selber nicht angeschaut. Ich wurde sehr scheu und wollte nicht in den Spiegel schauen. Ich habe mein Gesicht im Dunkeln gewaschen und mein Vater hat mich gehänselt. Ich habe es absolut gehasst und habe jeden Tag geweint.

Dein Vater hat dich wegen deinen Pickeln gehänselt!?
Ja, er hat mir gesagt, ich sei hässlich.

Das hat dein Vater wirklich gesagt?
Ja.

Wie ist dein Verhältnis zu deinem Vater jetzt?
Ich liebe meinen Vater, aber ich kenne ihn nicht!

Bist du wütend auf ihn, dass er das gemacht hat?
Bin ich wütend auf ihn...?

Ja, das Heranwachsen ist doch schwer genug ohne dass man von seinen Eltern gesagt bekommt, dass man hässlich ist!
Ja, sehr schwierig, bin ich wütend auf ihn? Manchmal ja. Ich kenne ihn nicht so, wie ich ihn kennen möchte. Meine Mutter ist herrlich, wunderbar. Für mich ist sie perfekt. Ich wünschte ich könnte meinen Vater verstehen!

Ja, reden wir von deinen Teenie-Jahren. War das der Zeitpunkt, wo du dich in dich selbst zurückgezogen hast? Du hast ja jetzt 14 Jahre nicht mehr mit der Welt gesprochen! Vor 14 Jahren war, glaube ich, dein letztes Fernsehinterview. Du bist also regelrecht Einsiedler geworden. Hast du das bewusst gemacht? Wolltest du dich damit schützen?
Nun, ich habe gemeint, dass es nichts wichtiges für mich zu sagen gäbe. Es waren auch sehr traurige Jahre für mich.

Warum so traurig, man hat dich doch immer auf der Bühne gesehen. Du hast deine Grammys bekommen... warum also diese Traurigkeit?
Nun, es gibt sehr viel Traurigkeit bezüglich meiner Vergangenheit, meinem Heranwachsen, meinem Vater, all diesen Dingen, das ganze hat mich einfach sehr traurig gemacht.

Er hat dich gehänselt, hat dich gehöhnt...
Ja

...hat er dich jemals geschlagen?
Ja...Ja

Nun, das ist schwer, geschlagen zu werden und dann auf die Bühne zu gehen, seine Vorstellung zu geben. Warum hat er dich geschlagen?
Weil er mich gesehen hat... oder ich weiss nicht, vielleicht hat er mich als einen Sündenbock gesehen. Nun, man kann ihn möglicherweise auch einen starken Anhänger von Disziplin nennen. Er war sehr streng, er war sehr hart zu mir, einen Blick von ihm und man hatte Angst!

Hattest du grosse Angst vor ihm?
Ja, sehr sogar. Es hat Zeiten gegeben wo mir richtig schlecht wurde, wenn er zu mir kam. Ich habe mich regelrecht übergeben müssen.

Als Kind oder als Erwachsener?
Beides. Er hat mich das nie sagen hören, bitte Vater sei mir nicht böse...

Nun, ich glaube jeder muss ja Verantwortung übernehmen über das, was er im Leben gemacht hat. Und dein Vater muss genauso Verantwortung übernehmen.
Aber ich liebe ihn und ich vergebe ihm.

Kann man das aber wirklich machen, kann man wirklich vergeben, wenn man sich seinen wahren Gefühlen nicht gestellt hat? Ich weiss nicht ob man einfach übergeben kann von Missbrauch zu werden hin zur Vergebung!
Ich vergebe, es wird soviel Unsinn und viel Quatsch über mich geschrieben, das ist alles nicht wahr, es sind Lügen und das sind Dinge über die ich reden möchte. Die Presse hat so viele schlimme Geschichten über mich verbreitet, die ganz schlimm sind, völlig unakzeptabel sind und so weit von der Wahrheit entfernt sind und ich habe erkannt, wie häufiger man eine Lüge wiederholt, je häufiger man eine hört, desto eher glaubt man sie. Wenn es oft genug gesagt wird, dann fängt man an tatsächlich daran zu glauben. Es ist wirklich schlimm die Sachen, die über mich gesagt geworden sind und die sind völlig falsch.

Wir werden gleich die Liste weiter durchgehen
Ja, wir können die Liste ganz durchgehen.

Wenn wir gleich wiederkommen, dann schauen wir uns die Wahrheit an und die wird dich befreien.


(kurze Videoeinblendung)



Vor der Pause hat Michael uns erzählt, wie es war als Michael aufzuwachsen. Er hatte gesagt, sein Vater habe ihn geschlagen und ich bin sicher das war es, was du gesagt hast... aber wir haben es nicht überprüft. Nun wir haben über alle Gerüchte gesprochen, bevor wir in die Pause gingen und es gibt so viele Gerüchte, dass ich keines vergessen möchte. Deshalb habe ich sie alle aufgeschrieben, obwohl ich das sonst nie mache. Zuerst einmal bin ich schon einige Zeit in diesem Haus gewesen wegen meinen Vorbereitungen, der Beleuchtung usw... Und als du nicht dabei warst, war ich auch oben im Haus und habe nach dem Sauerstoffraum, der Sauerstoffkammer gesucht und habe sie nicht gefunden! (Michael muss lachen)
Das ist eine total verrückte Geschichte, die Sensationspresse schreibt so etwas, das ist völlig frei erfunden!

Gut, aber in irgend etwas liegst du da doch. Wo kommt das her, wie fing alles an?
Ich hatte einen Werbefilm für Pepsi gemacht und mich dabei schwer verbrannt. Wir einigten uns auf eine Entschädigung von einigen Millionen Dollar und ich stellte das ganze Geld für das Michael Jackson Burn Center, also einer Verbrennungsklinik, zur Verfügung. Diese Technische Einrichtung wird also für Verbrennungsopfer eingesetzt. Ich sehe mir also dieses Gerät an, fasse es an, verschaffe mir einen Eindruck und lege mich dann sogar noch hinein! Und während ich darin liege macht jemand ein Foto von mir. Derjenige, der die Aufnahmen dann entwickelte sagte sich: "ach das ist ja Michael Jackson" und er machte eine Kopie davon und dann ging die Aufnahme um die Welt und wurde mit dieser Lüge verbunden. Das ist eine reine Lüge. Ich verstehe nicht, weshalb die Leute solche Zeitschriften kaufen. Das ist einfach nicht wahr. Dazu möchte ich sagen man darf nie einen Menschen verurteilen, wenn man nicht persönlich mit ihm gesprochen hat. Man darf niemanden nach solchen Geschichten beurteilen, denn das ist einfach erlogen.

Ja, aber es ist, als hätte diese Geschichte Beine gehabt.
Ja, richtig, aber wieso sollte ich mich in eine solche Kammer legen?

Das Gerücht lautete, dass du dich in diese Kammer legen würdest, um nicht zu altern!
Das ist Blödsinn, völliger Blödsinn, frei erfunden. Mir ist das peinlich. Ich bin bereit zu vergeben, zu verzeihen, ich bin bereit jedem zu verzeihen. Man hat mich gelernt andere Menschen zu lieben und ihnen zu verzeihen. Ich trage diesen Wunsch, ihnen zu verzeihen, in meinem Herzen. Aber glaubt bitte diese verrückten, schrecklichen Geschichten nicht.

Gut, dann lassen wir das. Hast du Knochen des Elefantenmenschens gekauft, oder versucht zu kaufen?
Nein, das ist wieder eine so dumme Geschichte.
Ich liebe diese Geschichte des Elefantenmenschen. Sie erinnert mich sehr an mich selbst. Ich konnte mich darin wieder finden und ich habe darüber auch geweint, denn ich habe mich in dieser Geschichte auch selbst wieder erkannt. Aber ich habe mich nie um die Knochen des Elefantenmenschen bemüht, was sollte ich denn schon damit anfangen?

Wo kommt dann die Geschichte her?
Jemand denkt sich das aus und andere sollten das glauben. Und wenn man eine Lüge oft genug erzählt, dann fängt man an, daran zu glauben.

Ja, und einige Leute verdienen ihr Geld damit. Gut. Vor Kurzem gab es eine neue Geschichte und einer deiner Anwälte hat dazu eine Pressekonferenz abgehalten. Die Geschichte, dass du wolltest, dass ein kleiner weisser Junge dich in einem Werbefilm für Pepsi spielen sollte.
(Michael seufzt) Das ist einfach Blödsinn, das ist die lächerlichste, schrecklichste Geschichte, die ich je gehört habe. Das ist verrückt. Zuerst einmal ist das ja  mein Gesicht als Kind in dem Werbefilm. Mit mir, als ich also noch klein war. Warum sollte ich denn wollen, dass mich ein weisses Kind spielt? Ich bin ein schwarzer Amerikaner. Ich bin stolz ein schwarzer Amerikaner zu sein. Ich bin stolz auf meine Rasse, ich bin stolz darauf, wer ich bin. Ich trage sehr viel Stolz und Würde in mir. Das ist als sollte ein Orientaler dich als Kind spielen, hat das denn überhaupt Sinn? Ergibt das einen Sinn? Also Leute, hört doch bitte auf, diese schrecklichen Geschichten zu glauben.

Gut Michael, dann kommen wir doch zu dem, was man am meisten über dich diskutiert. Es geht dabei um den Umstand, dass deine Hautfarbe offensichtlich anders aussieht als damals, als du jünger warst. Darüber hat es nun sehr viele Spekulationen und Kontroversen gegeben, ob du deine Haut bleichst oder ob deine Haut heller ist. Oder ist deine Hautfarbe heller, weil du nicht gerne ein schwarzer bist?
Zuerst einmal folgendes: Soweit ich weiss ist eine bleichende Haut nicht möglich. Ich habe so etwas noch nie gesehen, ich weiss nicht was das ist.

Ja, da gingen doch so Geschichten um, nach denen du dich dauernd bleichst und anscheinen hast du so 300000 Gallonen an Mittelchemien herumstehen.
So, die Lage ist folgendermassen: ich leide an einer Hautfunktionsstörung, dabei wird die Pigmentierung der Haut zerstört und ich kann nichts dagegen machen. So und mir tut es einfach weh, wenn Leute sich Geschichten ausdenken, in denen so etwas vorkommt. Das ist ein Problem für mich, ich habe keinen Einfluss darauf. Aber was ist mit den Millionen Menschen, die sich in die Sonne setzen um dunkler zu werden, eine dunklere Hautfarbe zu bekommen, als sie es im Augenblick haben, darüber spricht niemand.

Wann hat das denn angefangen, wann hat sich deine Hautfarbe zu verändern begonnen?
Ja, das war irgendwann nach Thriller, um die Zeit herum.

Und was hast du da gedacht?
Das liegt in meiner Familie, mein Vater, es käme von seiner Seite. Ich habe keinen Einfluss darauf. Ich verstehe es nicht. Es macht mich sehr traurig... ich will jetzt aber gar nicht mit meiner Krankengeschichte anfangen. Das ist ja meine Privatsache, aber so liegen die Dinge nun einmal, also sollten die Leute auch damit aufhören.

Gut, dann wollen wir das einmal festhalten: du nimmst nichts um deine Hautfarbe zu verändern...
Mein Gott, nein.

Du hast nicht bewusst...
Nein, Nein wir versuchen das unter Kontrolle zu halten, durch schminken, denn die Flecken auf meinem Gesicht werden dadurch kaschiert. Aber das ist eigenartig, weshalb ist das so wichtig? Für mich ist das nicht wichtig. ...ich bin ein grosser Kunsliebhaber, ich liebe Michelangelo, wenn ich bloss die Gelegenheit hätte, mit ihm zu sprechen. Als ich über ihn gelesen hatte, wollte ich wissen, was ihn inspiriert hatte, wer er war, wie wurde er so, was war die Anatomie seiner handwerklichen Kunst. Mir geht es nicht darum mit wem er gestern Abend ausgegangen ist oder weshalb er sich so lange in die Sonne setzte... das sind die Dinge die mir wichtig sind.

Wie viele Schönheitsoperationen hast du gehabt?
Sehr sehr wenige, man kann sie an zwei Fingern abzählen. Sagen wir es einmal so: Wer etwas darüber wissen möchte, der gehört zu den Neugierigen auf dieser Welt.

Ja, wenn es einmal gesagt ist, brauchen wir es ja nicht zu wiederholen.
Lies mein Buch Moonwalker, es steht in meinem Buch. Sagen wir es einmal so: wenn alle in Hollywood hier eine Schönheitsoperation gehabt hätten und in den Urlaub fahren wollen, dann wäre niemand mehr in der Stadt!

Da könntest du recht haben!
Ja, ich glaube ich habe recht!

Gut, hast du diese Schönheitsoperationen denn machen lassen, wegen deiner Jugend, als Teenager, als dir dein Aussehen nicht gefiel?
Nein, im Grunde nicht. Es waren also nur zwei, schau in meinem Buch nach!

Du willst mir also nichts sagen, worum es ging? Du hast offensichtlich deine Nase verändert!
Ja, das haben aber auch viele andere, die ich kenne, gemacht!

Ja, wenn du nun also all diese Dinge über dich selbst hörst und da hat es ja viele gegeben...
Ich habe mir nie die Backenknochen machen lassen oder die Augen. Ich habe nie etwas an meinen Lippen verändern lassen. Das geht wirklich zu weit, das ist völlig verrückt, Aber so etwas passiert eigentlich jeden Tag bei anderen Menschen.

Bist du denn jetzt zufrieden wie du aussiehst?
Ich bin eigentlich nie mit etwas zufrieden. Ich bin Perfektionist, das gehört zu meinem Wesen.

Hmm... und wenn du jetzt in den Spiegel schaust und dein Spiegelbild schaut zurück, gibt es dann Tage wo du sagst, so gefalle ich mir?
Nein, ich gefalle mir eigentlich nie so richtig...!

Sagst du dir auch einmal, heute sehe ich Klasse aus?
...ich versuche nicht in den Spiegel zu schauen, denn was ich sehe gefällt mir meistens nicht. Ich sehe also zu, dass ich meine Arbeit schaffe.

Ich muss dich noch folgendes fragen: sehr viele Mütter unter meinen Zuschauern wollen wissen, weshalb du dir immer zwischen die Beine fasst!

(Mike muss laut kichern) Weshalb ich mir immer zwischen die Beine fasse!?

Ja, wir meinen, dass sich da irgend etwas zwischen den Beinen abspielt!
Ich glaube, das passiert unbewusst, wenn man tanzt. Wenn ich tanze, dann weiss ich als Tänzer, dass ich die Klinge, die Musikbegleitung interpretiere. Wenn ein Bass den Rhythmus bestimmt, wird man zum Bass, bei einem Cello, einem Streichinstrument, tanzt man ganz leicht dahin. Man verkörpert Emotionen, die in den Klängen stecken. Wenn ich also eine Bewegung ausführe ...(Michael zeigt die Bewegung laut vor!) und dann dahin fasse, dann zwingt mich die Musik dazu. Ich fasse nicht bewusst dahin, es bereitet mir auch nicht irgendwie Lust das zu tun. Man denkt darüber nach, das kommt einfach so. Manchmal schaue ich mir Fotos an und dann zucke ich zusammen und frage mich: machst du sowas!? Ich bin also gewissermassen ein Sklave des Rhythmus, Okay?
(ein Alarm ertönt im Hintergrund)

Ja, ich glaube jetzt ist im Haus eine Alarmanlage angegangen. Ich weiss nicht weshalb, aber das haben wir gleich. Es ist ja eine Fernseh-Live Sendung. Wir machen also eine Pause, so etwas kommt vor, bis gleich dann...


(ein Video wird gezeigt, wo ein paar seiner vielen Rekorde eingeblendet werden.)


Wenn man all diese Rekorde gebrochen hat, wenn man das bestverkaufte Album gemacht hat, wenn man das zweitbestverkaufte Album gemacht hat, wenn man also jeden Rekord gebrochen hat, den es zu brechen gibt, wenn man eine Ikone der Industrie geworden ist, gibt es dann immer noch der Druck, dass man etwas besseres, etwas tolleres macht?
Ja, es wird dann immer schwerer dem zu folgen, denn man versucht so originell zu bleiben ohne über Statistiken nachzudenken. Das ganze muss aus der Seele, aus dem Herzen, kommen.

Und wenn du darüber nachdenkst, was machst du dann? Meditierst du, denkst du, du machst jetzt den Super Bowl?

(Michael lacht) Nein, ich ... ich schaffe die Dinge irgendwie aus meinem Herzen.

Ich will jetzt jedem sagen, dass wir hier wirklich live sind, dass wir nicht vorbereitet waren und mit Sicherheit war dieses Haus nicht vorbereitet auf all die Beleuchtung hier... deshalb ist der Rauchalarm losgegangen und deshalb haben wir eben diese Pause gemacht. Und ich möchte noch etwas klarstellen, ein weiteres Gerücht, das in die Welt gesetzt wurde, das ich korrigieren möchte. Es ist im Vorhinein gesagt worden, dass ich das Interview nur bekommen würde, wenn ich mich vertraglich dazu verpflichten würde, dich den King of Pop zu nennen. Und ich möchte der Welt nur sagen, Michael hat mir nicht gesagt, ich solle ihn den King of Pop nennen. Das habe ich bisher auch noch nie gemacht und ganz ehrlich gesagt, glaube ich auch, dass King of Pop auch ein viel zu beschränkter Titel für dich wäre. Ich glaube, dass der grösste Teil der Welt mir zustimmt, wenn ich sage, dass du wahrscheinlich einer der grössten Entertainer bist, den die Welt je gesehen hat. Du wärst also der König des Entertainments. Liz Taylor hat gesagt, du seist der König des Rock, Pop und Soul. Wo kommt dieser Gedanke her, dass du dich zum König der Popmusik erklärt hättest?

Ich habe mich zu nichts erklärt. Ich bin froh, dass ich lebe, ich bin froh, dass ich der bin, der ich bin. King of Pop wurde zuerst von Elizabeth Taylor gesagt, bei einer der drei Preisverleihungen.

Einen Moment, das haben wir sogar auf Video, hören wir uns das also einmal an...

(Die Aufnahme wird gezeigt, wo Liz Michael "The King of Pop, Rock and Soul" nennt.)

Da hat das alles angefangen!?
Ja, die Fans hatten nun in allen Stadien in denen wir gespielt haben, riesige Transparente mitgebracht, wo darauf stand: The King of Pop... und es gab auch Jacken und T-Shirts, mit der Aufschrift The King of Pop. Und vor meinem Hotel gab es Sprechköhre meiner Fans, die riefen der King of Pop... und so ist es eben passiert, auf der ganzen Welt.

Aber du hast mir nicht befohlen, ich müsse dich den King of Pop nennen!
Nein, natürlich nicht, weshalb sollte ich dir so etwas befehlen!?

Nun, dann werde ich dich weiterhin Michael nennen.
Ja, ich finde, die Presse mag es einfach, auf diese Art Ärger zu verursachen... Wiederum muss man sagen, liest nicht die Regenbogenpresse, es ist einfach verrückt.

Gehst du aus, verabredest du dich?
Ja.

Mit wem gehst du aus?
Hmm... zur Zeit ist es Brooke Shields!

Aha...
Nun, wir versuchen nicht überall gemeinsam zu erscheinen. Wir treffen uns meist zu Hause, entweder bei ihr oder bei mir, denn ich gehe nicht gerne aus und setze mich dabei der Öffentlichkeit aus!

Bist du jemals verliebt gewesen?
Ja.

In Brooke Shields?

Ja, Brooke Shields und ein anderes Mädchen!

Ich würde dich jetzt etwas fragen, was peinlich ist zu fragen, aber ich werde es trotzdem fragen: Bist du Jungfrau?

Wie kannst du so eine Frage stellen!!

Ich möchte es wissen!

Ich bin ein Gentlemen!

Du bist ein Gentlemen.

Ich bin ein Gentlemen.

Ich würde das also so deuten, dass das heisst, dass du glaubst, eine Lady ist eine Lady und...

... und dass das etwas privates ist, über das man nicht offen reden sollte. Du kannst mich altmodisch nennen, wenn du willst, aber für mich ist das sehr persönlich.

Du willst die Frage also nicht beantworten?

Nein, es ist mir peinlich!

Also, keine Antwort. Nun, wir möchten wissen, ob es die Möglichkeit gibt, dass du einmal heiratest und Kinder bekommst?

Nun, ich meine, dass mein Leben nicht vollständig wäre, wenn ich es nicht machen würde. Ich liebe das Familienleben, Ich liebe Kinder, ich liebe alles was darum herum ist. Das ist einer meiner Träume, aber ich kann es zur Zeit nicht, denn ich bin verheiratet. Ich bin mit meiner Arbeit verheiratet. Ich bin mit meiner Musik verheiratet und so eng muss diese Verbindung auch sein, wenn man die Art Arbeit macht, welche ich mache.

So, was für eine Frau macht dich denn an, na ja gleich im Video was wir sehen werden, zum ersten Mal, da gibt es es eine Zeile wo sie sagen, dass du gekränkt wirst, wer war das denn?

... .Quench my desire ... .. (Mike singt vor)

Ja, Quench my desire ...
Nun, Brooke. Ich hab sie immer gemocht Als ich klein war, war ich viel bei Diana Ross, meine Brüder und ich sind Jahre lang bei ihr gewesen. Ich hab das noch nie gesagt, aber in sie war ich immer heimlich verliebt!!

Tatsächlich?

Ja!

Ich hab gehört, und das war ein weiteres dieser Gerückte, dass du irgendwann Elizabeth Taylor einmal einen Heiratsantrag gemacht hast!?

(Michael kichert) Elizabeth Taylor ist fantastisch, sehr schön, heute noch und ich bin verrückt nach ihr!

Ja, aber hast du ihr einen Heiratsantrag gemacht?
Das hätte ich gerne gemacht!!

Nun, Elizabeth Taylor ist hier! Können wir Elizabeth Taylor mal bitten, zu uns zu kommen? Elizabeth hat gesagt, dass sie hier sein möchte, um deine Hand zu halten während des Interviews. Aber es sieht nicht so aus, als bräuchtest du jemand, der deine Hand hält!

(Elizabeth Taylor kommt, Michael begrüsst sie und Liz nimmt anschliessend auf dem Stuhl Platz. Michael steht daneben.)


Hat Michael dir jemals einen Heiratsantrag gemacht?
Elizabeth Taylor: Nein!! Und ich habe ihm auch niemals einen Heiratsantrag gemacht!

Was wird an Michael am meisten missverstanden, Elizabeth?
Elizabeth Taylor: Alles was du erwähnt hast. Ja, er ist der am wenigsten ungewöhnliche und seltsame Mensch, den ich je kennengelernt habe! Er ist hochintelligent, klug, intutiv... ,verständnisvoll..., sympathisch, grosszügig... fast schon von allem zuviel. Und wenn er irgendwelche exzentrische Eigenschaften hat, ... dann die, dass er Überlebens-Gross ist und einige Leute vermögen das nicht zu akzeptieren oder zu verstehen. Sein Talent auf der Bühne... der Grund weshalb ich ihn den König vom Pop, Rock, Soul und Musik genannt habe, ist derartig, dass niemand an ihn herankommt. Niemand kann so tanzen wie er. Niemand kann Texte schreiben wie er, niemand kann Musik schreiben wie er. Niemand kann die Spannung erzeugen, die er erzeugt.

Und warum glaubst du, seid ihr so gute Freunde? Was hat diese enge Verbindung zu Stande gebracht? Denn viele Leute versuchen dies als seltsam erscheinen zu lassen!

Elizabeth Taylor: Also ich finde das nicht seltsam. Unsere Kindheiten waren sehr ähnlich. Das habe wir also ganz zu Anfang schon einmal gemeinsam. Ich war mit neun ein Kinderstar, hatte einen strengen Vater und das hat uns so eng zusammengebracht. Von Anfang an.

Ich stelle auch Michael gleich noch die Frage, was möchtest du der Welt am dringendsten über ihn mitteilen?

Elizabeth Taylor: Was für ein wundervoller, grosszügiger, liebevoller Mann er ist und wie gut er ist.

Und er ist auch lustig?
Elizabeth Taylor: Ja, wahnsinnig lustig!!

Ja, er hat einige irrsinnige Witze auf Lager!

Elizabeth Taylor: Aber vor allen Dingen ist er ein guter Mann.

Nach der Pause... Erst einmal vielen Dank, dass du hier warst. Ich weiss, du wolltest eigentlich gar nicht vor die Kamera. Also, nach der Pause wird uns Michael nicht nur seinen unglaublichen Vergnügungspark und sein Kino vorführen, sondern er wird auch eine Tanzvorstellung geben, für alle die, welche behaupten, dass er den Moonwalk mit den Spiegeln getückt hat! Wir werden gleich das Gegenteil beweisen!


(Ein Video wird gezeigt, das aus Zusammenschnitten seiner Konzerte und Videoclips besteht.)




(Zurück zum Interview: Mike fährt mit einem Golfcart, neben ihn sitzt Oprah, von seinem Haupthaus zum Vergnügungspark)


Michael, du fährst ja sogar selber! Ich will einmal beschreiben, wo wir hier sind: Wir fahren jetzt von Michaels Haus zu diesem erstaunlichen Vergnügungspark, der nur einige 100 Meter vom Haus entfernt liegt. Ich kann es kaum glauben, was ich hier sehe und ich möchte dich fragen, ob du dies für dich selbst hast machen lassen, oder für all die Kinder, die du hier unterhälst?

Für mich selbst und für die Kinder! Alle drei Wochen kommen todkranke zu uns hierher und in dieser Stiftung werden ihre Träume erfüllt! (Sie steigen aus und begeben sich durch den Park in Richtung Kino) Sternengefunkel, ein Lichtermeer... das sind also sterbenskranke Kinder mit Krebs. Diese Kinder kommen hierher und ich unterhalte sie dann.

Um das einmal zu erläutern, das sind hier keine Kleinkarusells, sondern wirklich grosse, schöne Karussells, die Seeschlange, das Riesenrad, alles ist vertreten, Autoscooter usw.. es ist wirklich...
Ja, danke

(Alle Bahnen/Attraktionen wurden extra eingeschaltet und leuchten hell. Traumhaft!)

Es weckt also das Kind, das in jedem steckt.
Ich fahre unheimlich gern Karussells und dergleichen!

Hast du das als Kind schon machen können?
Eigentlich nicht, manchmal... aber nicht oft.

Und jetzt kannst du das dauernd machen! Wie oft kommst du denn so hierher?
Immer wenn ich da bin komme ich hierher und fahre mit!

Was wir hier sehen, ist das ein Teil von dir? Wir haben ja darüber gesprochen, du hattest ja einiges verpasst von dem, was Kinder normalerweise erleben. Und nun holst du das nach?
Ja, ich kompensiere das in der Tat, es ist richtig!

Glaubst du denn, dass du das jemals wirklich nachholen kannst? Ist es genau das gleiche Gefühl?
Ich weiss es nicht...

Es macht sicherlich mehr Spass. Aber die Vergangenheit kann man so nicht haben.
Ich habe hier Spass!

Und hier betreten wir nun das Theater. Ich habe hier also neulich an der Bonbonthecke einige Süssigkeiten zuviel genascht, aber jedenfalls gibt es hier süsses für alle Kinder! Pinocchio ist hier, ET ist hier... Was ich an dir faszinierend finde, ist natürlich diese kindliche Aura, die dich umgibt. Du hast Kinder um dich herum und spielst auch mit ihnen. Sie spielen mit dir, als seist du einer von ihnen. Aber das hier hat ja nicht ein Kind zustande gebracht, das hat nicht ein Kind sich bauen lassen, das ist wirklich ganz grossartig!
Ja, danke. Ich tue gern etwas für Kinder und ich versuche Jesus nachzueifern. Das heisst nicht, dass ich Jesus bin usw...

Ja, das ist klar!
Ich versuche es Jesus in soweit gleich zu tun, als er gesagt hat: "seid wie Kinder, liebt Kinder, seid so rein wie Kinder, werde genauso unschuldig wie Kinder und betrachte die Welt mit all ihren Wunder... wie Kinder das tun." (die beiden haben sich inzwischen auf den Bühnenrand des Saals, im Theater/Kino, gesetzt) Das hat etwas magisches an sich. Ich liebe das und wir haben vielleicht 100 Kinder mit kahlen Köpfen hier, alle haben Krebs. Und sie rennen hier umher, haben Spass und auch bei mir laufen dann die Freudentränen darüber, dass ich das für die Kinder habe ermöglichen können. Das erfüllt mich mit innerer Befriedigung.

Als ich vor einem Monat hier her kam, um mit dir Werbefilme als Promotion für das Interview von heute Abend zu produzieren, da hat mich etwas mit am meisten beeindruckt und ich hoffe, das wird auch gleich gezeigt. Wir haben nämlich noch andere Kameras... hier sind Betten in die Wand eingelassen. Betten für diese kranken Kinder und ich habe festgestellt, dass du wirklich Kinder mögen musst, um Kinder gewissermassen in die Architektur mitein zu beziehen.

Ja, wir haben Kinder, die Infravenös Infusionen bekommen. Sie können sich nicht hinsetzen und das sind Krankenhausbetten. Man kann mit einem Knopf die Betten verstellen, wir haben eine Zaubershow, die Kinder können zuschauen. Wir zeigen Zeichentrickfilme usw... Alles mögliche. Das ermöglicht ihnen also eine Flucht in diese verzauberte Welt, in eine Welt, die mir früher verschlossen blieb.

Dann vielleicht folgende Frage: Nicht für alles im Leben gibt es unbedingt ein Grund. Hast du den Eindruck, dass wenn du nicht einiges an Spass und Fantasie der Kindheit hättest entbehren müssen, dass du dann nicht ein so enges Verhältnis zu Kindern hättest?

Wahrscheinlich hätte ich auch dieses Verhältnis, aber nicht so stark. Deshalb möchte ich das auch gar nicht anders, denn ich bin glücklich damit, dass ich mich um Kinder kümmern kann usw...

Bist du denn jetzt glücklich? Du warst doch, glaube ich, recht traurig?

Ich war traurig viele Jahre lang, aber jetzt bin ich glücklich. Ich bewege mich in die richtige Richtung. Ich bin sehr glücklich.

Was hat dich denn glücklich gemacht?
Ja, das Gefühl geben zu können. Ich habe dann auch die Heal The World Foundation gegründet. Ich will Kindern helfen und wir arbeiten auch hier in LA, wir haben drei Ziele dabei: Immunisierung von Kindern, Unterstützung eines Programmes, ein Programm für grosse Brüder und grosse Schwestern, und dann ein Aufklärungsprogramm gegen Drogenmissbrauch... Und Jimmy Carter hat uns mit Heal Atlant zusammengetan. Wir gehen von Bundesstaat, von Land zu Land, wir waren in Sarajevo usw... ja.

Ja, wir haben Fotos von dir überall aus der Welt. Vor der letzten Pause, vor dem Alarm, ach ich will eigentlich die Gerüchte nicht ansprechen, aber ein seltsames Gerückt hab ich gehört. Beim Moonwalk hättest du Spiegel in den Socken getragen. Das ganze sei nicht wirklich so gewesen!
Nein, so war es nicht.

Zuerst einmal folgendes, wir haben nun viel Zeit darauf verwendet, Gerüchte zu zerstreuen und die Wahrheit endlich deutlich zu machen. Ich habe noch gar nicht mit dir darüber sprechen können, wie du dir die Musik, die Tänze vorstellst. Wo kommt der Moonwalk eigentlich her?
Der Moonwalk kam von diesen wunderbaren, schwarzen Kindern, die im Getto leben, in den Innenstädten. Das sind begnadete junge Tänzer, die die ganzen Bewegungen in sich tragen. Sie entwickeln diese Tänze. Ich habe das dann nur noch ein wenig ausgebaut!

Mach es doch einmal vor!
Nein, nein... ich kann dir vielleicht einen oder zwei Schritte zeigen...


(Zur Musik von Dangerous zeigt Michael einige tolle Tanzschritte auf der Bühne des Theaters und bringt auch zwei Mal seinen berühmten Moonwalk))



Ja ich habe es jetzt live gesehen!
Das hast du also von den Kindern übernommen, die das vorgemacht haben?
Ja, ich glaube das sind wirklich hervorragende Tänzer!

Als wir vorhin schon hier waren für diesen Werbefilm, für die Super Bowl...
... das sollten wir beide doch zusammen machen!

Ich kann das nicht, ich weiss wirklich nicht, wie das geht, Da steht ja viel in der Presse über mich und richtig davon ist nur, dass ich nicht tanzen kann. Das ist die reine Wahrheit. Als wir letztes Mal hier waren, für diesen Werbefilm, da warst du gewissermassen immer dazwischen und entwickelste den Tanz, die Choreografie für diesen Tanz, für die Super Bowl!

Für den Super Bowl?

Ja, ja
Ich bin eigentlich nie zufrieden wenn ich etwas sehe, was ich gemacht habe. Dann sagen andere, das ist doch phänomenal. Bei Motown 25 war das so, bei Moonwalker, ich habe hinterher wirklich geweint, ich war unzufrieden.

Du hast nach Motown 25 geweint???
Ja, wirklich. Da war dieser kleine, jüdische Junge von 12 Jahren dabei. Der sagte das ist ja wirklich toll, wie kann man nur so tanzen! Und da habe ich dem geglaubt, denn ich weiss, dass Kinder nicht lügen. Und ich fühle mich dann wirklich sehr gut.

Du hast dich so gut gefühlt, dass du wahrscheinlich "Heh-Heh" gesungen hast!
(beide lachen)
Ich möchte jetzt, dass du für mich etwas singst, A-Capella!!

Oh, nein, was soll ich denn da singen?

Who is it, ja das da, so ein theaterwirksames Stück!
Was kann ich denn da singen...?

Was ist denn mit diesem "Hee-Hee"?


(Michael ahmt zuerst mit Mund und Händen täuschend echt die Musik von "Who is it" nach und singt dann einen Teil aus dem Song.)




... Fabelhaft!!!!
Ich wollte es ja gar nicht machen!

Das war wirklich ganz toll!! Wir sind nun gleich wieder da mit Michael Jackson live. (sie umarmt ihn) Das war wirklich grossartig!



(Ein Video, welches aus Zusammenschnitten seiner Filme besteht, wird gebracht.)



Wir wollten uns dieses Stück anschauen nach der Pause, weil Musikvideos früher nur darin bestanden, dass jemand ein Lied sang. Bis du dann kamst und die Musikvideos grundlegend verändert hast! Wusstest du, was du tatest, als du den ersten produziert hast?
Ja, wir wollten eine Geschichte haben mit einem Anfang, einem Mittelteil und einem Schluss, wie ein Minifilm, ein kleiner Film. Und so haben wir das mit Beat it gemacht, mit Thriller... mit anderen.

Wenn du dir also irgend etwas von dir anschaust, oder ein Musikstück anschaust, weisst du dann schon, was du damit machen willst?
Ja, manchmal überlege ich mir das schon.

Ich frage mich, und ich werde es auch nie wissen, weil ich nicht singen kann. Aber ich frage mich, wie es ist vor einem Meer von Menschen auf der Bühne zu stehen. Das hat mich immer wieder beeindruckt, als ich das Material zusammengestellt habe für diese Sendung. Die Reaktion auf dich, überhaupt auf der Welt, ist so unglaublich! Und die übrigen auf der Welt, die das noch nicht gesehen haben, wie man auf Michael Jackson reagiert, können sich das jetzt einmal anschauen.




(Riesige Menschenmassen bei seinen Konzerten usw werden in einem Video gezeigt. Kreischende Fans...)


Wenn du dort also stehst und ein Meer von Menschen steht vor dir und ruft deinen Namen, was ist das für ein Gefühl?

Liebe. Man spürt sehr viel Liebe und ich fühle mich gesegnet und geehrt, ein Werkzeug der Natur zu sein, das erwählt wurde, um dies zu ermitteln. Ich fühle mich wirklich sehr geehrt und bin glücklich darüber.

Ein Werkzeug der Natur ist natürlich eine interessante Beschreibung. Bist du sehr spirituell?
... wie ist das gemeint?

Verstehst du, dass es etwas grösseres als dich selbst gibt, das hier am Werke ist.

Ich glaube an Gott, ich glaube unbedingt an Gott, sehr sogar.

Jeder kommt ja aus irgend einem Grund auf die Welt, die meisten von uns suchen das ganze Leben nach dem Sinn der eigentlichen Existenz. Wie sieht denn das bei dir aus? Was ist dein Ziel im Leben?
Ja, das ist schwer zu beantworten... Ich versuche möglichst viel von mir zu vermitteln, durch tanzen, Musik. Ich fühle mich meiner Kunst verpflichtet. Letzten Endes geht es um die Verbindung zwischen dem geistigen und dem Materiellen, zwischen dem menschlichen und dem göttlichen. Das ist der Grund für das Bestehen der Kunst, für die Existenz der Kunst. Und ich fühle mich erwählt, als Werkzeug, Musik zu vermitteln, Liebe und Harmonie der Welt zu geben. Den Kinder jeden Alters, Erwachsenen, Teenager... allen.

Glaubst du, dass die Menschen nach diesem Gespräch besser in der Lage sind, dich nach deiner Musik und dich nach anderen Dingen zu beurteilen?

Ja, ich hoffe doch sehr, es würde mir sehr gefallen.

Ja, ich hoffe das auch ebenfalls. Ich finde es grossartig, dass die Welt zuschaut. Und da die Welt dabei ist, haben wir es für den richtigen Zeitpunkt gehalten, jetzt die Premiere von Give In To Me zu zeigen!


(Give In To Me läuft auf der Leinwand seines Kinos)



Wir möchten also wissen, wie das auf einem Stück Papier beginnt und dann zu etwas derartigem umgearbeitet wird!?

Give In To Me... ja ich wollte einen Song schreiben, der aufregend sein sollte, so etwas wie Beat It oder Black Or White. Slash wollte etwas anderes machen... wir lieben Tiere... er wollte Gitarre spielen... wir setzten uns dann zusammen, gingen nach Deutschland, nahmen es auf... Ungefähr 2 Stunden lang. Wir hatten überhaupt keine Zeit für längere Aufnahmen, wir wollten, dass es aufregend wird, fantastisch ist, so eine Art Rockkonzert. Und das war dann das Ergebnis!

Du hast von Tieren gesprochen und alle werden mich jetzt fragen, wo die Tiere waren. Ich hatte jetzt jede Menge Schimpansen hier im Wohnzimmer erwartet, wo ist denn Bubbles?

Die Tiere sind überall! Die haben ihren Lebensbereich überall auf der Ranch, kommen tagsüber nach draussen, spielen herum, haben einen eigenen Spielplatz gewissermassen.

Weshalb haben Tiere dich denn immer so fasziniert?

Nun, bei Tieren finde ich das gleiche wieder, was ich bei Kindern so schön finde. Die Reinheit. Man will nichts von einem, ausser dass man der Freund des anderen ist! ... Das ist so süss.

Wir hatten ABC um 90 Minuten gebeten. Jetzt scheint die Zeit gar nicht zu reichen, wir waren glaube Ich`s in allen Räumen, keine Schimpansen, kein Sauerstofftank im Haus! Wie wäre es denn mit etwas anfassen zwischen den Beinen?
(Mike muss während ihrer Aussage mehrmals lachen)
Ja, wenn die Musik danach ist...

Oh, wir haben nichts über die Amtseinführung von Präsident Clinton gesagt. Hast du wirklich darauf bestanden, als einziger zu singen?
Das ist wirklich die dümmste Geschichte, die ich je gehört habe. Weshalb sollte ich denn wünschen, dass nur ich in der Show sein sollte? Das ist so dumm die Vorstellung, ganz verrückt. Das ist nicht in meinem Herzen, etwas derartiges empfinde ich nicht, das hat sich wieder irgend jemand ausgedacht. Die ganze Welt sollte es glauben.

Was soll denn die Welt über dich wissen?
An was die Welt sich bei mir erinnern soll?

Wofür möchtest du jetzt bekannt sein?
Nun, ich möchte als grosser Künstler anerkannt werden. Ich möchte, dass die Menschen mich deshalb liebhaben. Ich möchte geliebt werden, wo überall ich auch hinkomme. Ich liebe Menschen, alle Rassen aus meinem Herzen, aus tiefstem Gefühl.

Gene Siskel, Filmkritiker, hat mich einmal das gefragt. Du bist 34-Jahre alt. Was für Gewissheiten hast du im Leben, was weisst du ganz genau?
Hmm... was ich ganz genau weiss?... mein Gott... ich lerne immer noch dazu, das Leben ist für mich ein ständiger Erziehungs und Bildungsprozess. Ich weiss nichts so ganz genau.

Ich kann dir gar nicht genug dafür danken, dass du uns hier hast herkommen lassen. Ich wünsche dir wirklich viel Glück und wenn dieses Interview vorbei ist und du überall auf der Welt geliebt wirst, dann gehe ich auf das Riesenrad und dann mache ich eine Rundfahrt mit dem Riesenrad... Ich werde mich amüsieren, ein Tüte Popcorn dabei und wenn dann alles vorbei ist zeigst du mir dann vielleicht doch noch den Moonwalker, dieser Tanz von vorhin! Mir hat es wirklich sehr viel Spass gemacht!





(Die beiden verlassen lachend das Kino...)