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  • Prozess: 10. Tag — Zeugen der Anklage (2. Teil)

    12. Oktober 2011

    Unter Kreuzverhör durch die Verteidigung, gab Dr. Rogers zu, dass es zwar “physisch möglich” gewesen wäre, dass Michael Jackson sich sich die tödliche Dosis Propofol selbst zugeführt haben könnte, dies aber unwahrscheinlich sei. Zudem, als er nochmals von der Staatsanwaltschaft befragt wurde, machte Dr. Rogers klar, dass Conrad Murray dennoch für den Tod von Michael Jackson verantwortlich sei — auch unter dem unwahrscheinlichen Szenario, dass sich Michael Jackson das Propofol selbst zugeführt hätte — da Murray nachlässig gewesen wäre, indem er seinem Patienten den Zugriff zum Propofol ermöglichte.  Zudem betonte Dr. Rogers bereits am Vormittag, dass Dr. Murray nachlässig gehandelt hatte, indem er die medizinische Ausrüstung, die bei der Verabreichung eines Narkosemittels erforderlich ist, nicht an Ort und Stelle gehabt hatte. Unter Kreuzverhör der Verteidigung gab Dr. Rogers auch zu, es wäre möglich gewesen, dass Michael Jackson eine Überdosis des Beruhigungsmittels Lorazepam, das in einer Tablettendose neben dem Bett war, eingenommen hatte. Eine toxikologische Untersuchung des Mageninhalts, die in den vergangenen Monaten auf Antrag der Verteidigung nochmals durchgeführt worden war, zeigte auf, dass im Magen viermal mehr Lorazapem enthalten war als im Blut. Dies, so Dr. Rogers, sage aber nichts darüber aus, wann das Lorazepam geschluckt worden ist.

    Während der gestrigen Befragung von Dr. Rogers wurde auch ein Foto von Michael Jackson kurz nach seinem Tod und vor der Autopsie gezeigt (nackt auf einer fahrbaren Krankentrage, Genitalien abgedeckt). Die Familie wurde von der Staatsanwaltschaft vorgängig informiert, woraufhin Michaels Mutter sich entschieden hatte, für diese Zeit den Gerichtssaal zu verlassen. Das Foto ist den Umständen entsprechend sehr gepflegt, aber mag doch für einige zu zu starken emotionalen Reaktionen führen. Für diejenigen, die das Foto anschauen möchten, siehe hier. Grund, weshalb die Staatsanwalt das Foto gezeigt hatte, war um zu aufzuzeigen, dass Michael Jackson in einem allgemein guten Gesundheitszustand war (nicht abgemagert etc.). Sein BMI (basierend auf Körpergrösse und Gewicht) lag zu seinem Todeszeitpunkt im Normalbereich.

    Die Staatsanwaltschaft hat nun noch drei weitere Zeugen, die sie aufrufen wird: ein Kardiologe, eine Anästhesist und ein Schlafexperte. Danach ist die Verteidigung dran.
    Gestern hat Dr. Dombrowski, ein Anästhesist und Schmerzmanagementspezialist bei Dr. Drew auf HLN/CNN klar gemacht, dass es Murrays Pflicht gewesen wäre, mit allen anderen Ärzten von Michael Jackson zu sprechen und sich zu koordinieren, um dem Patienten die richtige und angemessene Betreuung zu geben. Dr. Dombrowski meinte: “Bei der Art von Betreuung, die [Dr. Murray] Michael Jackson gegeben hatte, sieht er ja, was da für Medikamente herumstehen. Er muss es bemerken. Er kann die Medikamentendose nehmen, schauen, was Michael Jackson einnimmt und sagen ‘dann ruf ich diesen Arzt mal an.’ Wir Anästhesisten und Leute, die sich auf Schmerzmedizin spezialisieren, tun das immer.” Zudem betonte Dr. Dombrowski, dass wenn man einem Patienten ein Anästhetikum [wie Propofol] verabreicht, lässt man den Patienten nie aus den Augen. Man sagt nicht, ‘er hat sich’s selbst zugeführt, als ich weg war’. Man muss immer neben dem Patienten sein und beobachten, was vor sich geht. Man wendet sich nicht einen Moment vom Patienten ab.
    Quellen: jackson.ch, cnn.com, tmz.com