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  • Prozess: 11. Tag — Zeugen der Anklage (2. Teil)

    13. Oktober 2011

    J. Michael Flanagan erreichte auch nach der Mittagspause nichts mehr für seinen Klienten, als er Dr. Steinberg nochmals ins Kreuzverhör nahm. Nach dem Kardiologen Dr. Steinberg, rief die Staatsanwaltschaft Dr. Nader Kamangar in den Zeugenstand. Er ist Lungen- und Schlafexperte und, wie Dr. Steinberg, Mitglied des California Medical Board. Seine Aussagen deckten sich mit denen von Dr. Steinberg und spiegelten die Punkte wider, die Dr. Steinberg bereits als “extreme Abweichungen” vom ärztlichen Betreuungsstandard aufgelistet hatte. Unter anderem betonte Dr. Kamangar:

    • Dass Conrad Murray nicht gleich 911 (Notruf) anrief, als er feststellte, dass Michael Jackson nicht mehr atmete, war eine “extreme und sittenwidrige Abweichung des ärztlichen Pflegestandards”. Der erste Grundsatz bei der Lebensrettung ist Hilfe zu holen. Die Missachtung dieses Grundsatzes, so Dr. Steinberg und Dr. Kamangar, haben Michael Jackson das Leben kostet.
    • Die Verwendung von Propofol zur Behandlung von Schlafproblemen sei unethisch und “unfassbar”.  “Es ist einfach unverständlich. Und ehrlich gesagt ist es beunruhigend,” so Dr. Kamangar.
    • Propofol muss mit grösster Sorgfalt verwendet werden, weil es unberechenbar ist, vor allem wenn es zusammen mit anderen Beruhigungsmitteln verwendet wird.
    • Die Verwendung von Propofol ausserhalb eines Spitals ohne die entsprechenden Überwachungsgeräte ist etwas “das wir nicht einmal in Betracht ziehen würden”.
    • Conrad Murray hätte Michael Jackson nie Beruhigungsmittel verabreichen dürfen, da letzterer dehydriert war, was bedeutet, dass sein Blutdruck bereits tief war.
    • Die intravenöse Verabreichung von Lorazepam und Midazolam stellt ebenfalls eine extreme Abweichung des Betreuungsstandards dar.

    Ferner betonte Dr. Kamangar, dass wenn man Medikamente im Haus herumliegen hat bei einem Patienten wie Michael Jackson, der eine potentielle Geschichte des Medikamentenmissbrauchs hatte, dies grobfahrlässiges Verhalten darstelle. Es wäre in dem Fall absehbar, dass der Patient sich die Medikamente selbst zuführen könnte. Die Staatsanwaltschaft fragte daraufhin Dr. Kamangar: “Nimmt man an, dass Mr. Jackson sich die [tödliche Dosis] selbst zugeführt hat, ist Conrad Murray dennoch verantwortlich, diese lebensbedrohliche Situation kreiert zu haben? Hat Conrad Murray damit direkt den Tod von Michael Jackson verursacht?” “Ja, das ist korrekt”, so Dr. Kamangar. Auch diese Aussage deckt sich mit der vorhergehenden Aussage von Dr. Steinberg, der folgenden Vergleich zog: “Es ist, wie wenn man [unbeaufsichtigt] ein schlafendes Baby auf einem Küchentisch liegen lässt. Es besteht eine ganz kleine Chance, dass das Baby runterfallen oder aufwachen und ein Messer oder ähnliches packen kann.”

    Die Verteidigung, die gestern einen schwarzen Tag erlebt hatte, wird heute Morgen, 8:45 Uhr Ortszeit (17:45 Schweizer Zeit) mit dem Kreuzverhör von Dr. Kamangar fortfahren. Anschliessend wird die Staatsanwaltschaft ihren vermutlich letzten Zeugen, Dr. Steven Shafer, einen Anästhesist, in den Zeugenstand rufen.

    Quellen: jackson.ch, cnn.com, tmz.com