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Am 4. Dezember 1999 war Michael Jackson auf dem Cover von TV Guide, Amerikas bestverkauftes wöchentliches Magazin. Das Magazin beinhaltete einen Artikel über Michael.
Michael Jackson gab ca. am 27. November MTV USA und TV Guide in New York ein exklusives Interview im Zusammenhang mit dem MTV Spezial "100 Greatest Videos Ever". Thriller belegte auf dieser Hitparade den 1. Platz.  Michael redete über Videos, seine Familie und seine Zukunftspläne. Des weiteren präsentierte er einen neuen Look.


The TV Guide Interview:

 

"Thriller" hat die Musik-Videos für immer verändert. Woher hatten Sie die Idee?
Michael: Mein Bruder Jackie kam zu mir nach Hause und sagte: "Schaust du dir gerade diese Sendung im Fernsehen an? Sie spielen nur Musik. Es heißt MTV." Ich schaltete es ein, und ich fand das Konzept sehr interessant. Was ich nicht mochte, waren die Videos, die nur eine Abfolge von Bildern waren; ich dachte, wenn ich eins machen würde, wäre es etwas mit einem Anfang, einem Mittelteil und einem Ende, wie ein Kurzfilm.

Hätten Sie jemals gedacht, daß Thriller und die Videos aus dem Album Ihre Karriere in die Stratosphäre katapultieren würden?
Ich habe nicht wirklich darüber nachgedacht, wie das Album laufen würde; ich wollte einfach das machen, was ich selbst gern sehen würde. Und mein Hauptziel für das "Thriller" Video war es, etwas zu machen, das gruselig, lustig und spannend ist.

Wie sehen Sie heute auf diese ganze Ära zurück?
Ich sehe es als glückliche und traurige Zeit. Und als aufregende Zeit. Denn sie machte viele meiner Träume wahr. Das Berühmt-Sein war wundervoll.

Sie sagten auch, es wäre eine traurige Zeit gewesen.
Ja. Wenn ich nicht genau das erreiche, was ich anstrebe, bin ich sehr deprimiert.

Sie meinen, das Album entsprach noch immer nicht Ihren Erwartungen?
Nicht völlig.

Welche Lieder haben Sie enttäuscht?
"Wanna Be Startin' Somethin'." Songwriting ist eine sehr frustrierende Kunstform. Man muß genau das auf`s Band bekommen, was man in seinen Gedanken hört. Wenn ich es hier höre [er zeigt dabei auf seinen Kopf], ist es wundervoll. Ich muß das auf Tonband übertragen. "The Girl is Mine" war nicht genau, was ich wollte, aber es war ganz nett. Aber da ist "Billie Jean". Daran habe ich so hart gearbeitet. Ich habe allein 3 Wochen am Bass-Tempo gearbeitet.

Der Handschuh, die weißen Socken, die rote Lederjacke - wer hatte die Idee zu diesen Sachen?
Der Handschuh war einfach - ich dachte einer wäre cooler als zwei. Ich mag es, Bewegung zu unterstreichen. Das Auge folgt dem Weiß, wissen Sie. Und die Füße- wenn man tanzt, kann man ein Ausrufezeichen zu seiner Bewegung hinzufügen, wenn man ein bißchen Licht darauf lenkt. Darum trug ich weiße Socken. Und zum Design der Jacke: Ich saß mit den Leuten zusammen, die die Sachen machten, und sagte ihnen, wo ich einen Knopf, eine Niete oder ein Design haben wollte. Aber diesen Look trage ich nicht mehr. Es ist traurig, in der Vergangenheit gefangen zu sein. Darum habe ich auch keine Preise in meinem Haus. Keine goldenen Schallplatten, keine Grammies. Die sind gelagert. Ich möchte nicht überheblich werden, denn ich hätte dann das Gefühl, ich könnte nichts neues mehr erreichen, und das ist nicht wahr.

Glauben Sie, daß Ihre kreativste Zeit noch kommt?
Ich denke, meine besten Werke kommen noch, aber ich würde gern in anderen Gebieten tätig werden, nicht ein Pop-Album nach dem anderen machen.

Gibt es zur Zeit Künstler, die musikalisch interessante Projekte machen?
Es gibt wundervolle, kreative Ideen, aber ich denke nicht, daß irgend jemand innovativ ist. Sie nehmen meistens altes und versuchen, es ins neue zu integrieren

Gibt es jemanden, mit dem Sie gern zusammen arbeiten würden?
Eigentlich nicht, aber es gibt viele Künstler, die ich bewundere.

Was ist Ihre Lieblingsmusik?
Meine Antwort wird sie sicherlich überraschen. Heute morgen habe ich Rodgers und Hammerstein nachgesungen. Das sind die Sachen, die ich zu Hause singe -"My Favorite Things" aus "Sound of Music" und "Absent Minded Me," das Streisand-Lied. Ich bin auch ein großer Fan der großartigen alten MGM Musicals. Ich liebe Film-Melodien. Ich bin ein großer Anhänger der Melodie.

Welches Lied tragen sie am liebsten vor?
"Billie Jean," aber nur, wenn ich es nicht immer auf die gleiche Weise bringen muß. Das Publikum will etwas bestimmtes. An dem Punkt muß ich den Moonwalk machen. [lacht] Ich würde gern eine andere Version machen.

Wer ist heute Ihr Publikum?
Ich weiß nicht. Ich versuche einfach, wundervolle Musik zu schreiben; und wenn sie es mögen, mögen sie es. Ich denke nicht über Demographie nach. Die Plattenfirma versucht mich dazu zu bringen, so zu denken, aber ich mache einfach, was ich gern hören würde.

Gibt es im neuen Jahrtausend einen neuen Michael?
Ja. Ich habe ein paar Sachen geplant. Ich denke, es wird etwas total anderes als das, was ich bisher gemacht habe. Es gibt einen Song auf dem neuen Album, der "I Have This Dream" heißt. Es ist ein Millennium-Song über die Welt und die Umwelt, den ich zusammen mit Carole Bayer Sager und David Foster geschrieben habe.

Wie wird das neue Album sein?
Es wird flotte Dancemusic geben und Songs über zwischenmenschliche Beziehungen.

Und wie sieht es mit dem Edgar Allan Poe-Filmprojekt aus?
Sein Leben ist sehr interessant. Mir gefallen Künstler, die risikofreudig sind.

Denken Sie, daß Sie wieder auf Tournee gehen werden?
Ich denke nicht. Es strengt mich sehr an.

Sie bewegen sich kaum ohne Verkleidung in der Öffentlichkeit. Warum?
Ich sehe keine andere Möglichkeit. Ich habe alles versucht. [lacht] Fat suits. Nonnen. Clowns. Halloween ist das beste für mich. Und Mardi Gras.

Denken Sie, Sie werden je frei als Sie selbst herumlaufen können?
Ich verkleide mich aus verschiedenen Gründen. Ich liebe es, Leute zu studieren - wie die Fliege an der Wand zu sein. Selbst wenn es zwei alte Damen sind, die auf einer Bank sitzen oder ein paar Kinder auf einer Schaukel. Denn ich weiß nicht, wie es ist, in einer alltäglichen Situation zu sein. Einmal war ich in einem Plattenladen, vollständig verkleidet, und diese Mädchen zogen mein Album aus dem Regal und sprachen über mich. Ich stand buchstäblich direkt neben ihnen. Es war wunderbar. Ich liebte es. Aber wenn ich als ich selbst ausgehe, kann ich keinen Spaß haben. Die Leute sagen immer "Warum gehen wir nicht einfach auf eine Party?". Sobald ich hereinkomme, ist die Party vorbei - für mich. Für sie ist es eine Party, aber mir halten sie alle ihre Visitenkarten ins Gesicht und fragen "Erinnerst Du Dich an mich? Ich habe Dich vor vier Jahren getroffen in ...", und ich sage "Ich erinnere mich nicht." Darum kann ich das nicht genießen. Sie spielen alle meine Lieder. Ich bin nicht gekommen, um meine Musik zu hören. Und alle fangen an zu rufen "Tanze!" "Nun, ich will zur Abwechslung EUCH tanzen sehen."

Denken Sie, angesichts der negativen Presse, die Sie hatten, daß die Leute Sie nur nach Ihrer Musik beurteilen werden?
Ich glaube nicht. Denn die Presse hat mich als Monster abgestempelt, zu einem Irren, der seltsam und verrückt ist. Ich bin nicht so.

Gibt es etwas, was Sie tun können, um diesen Eindruck zu ändern?
Nun, alles was ich tun kann, ist, ich selbst sein und aus meiner Seele heraus zu kreieren. Aber sie können das nehmen und manipulieren.

Aber was wird Sie für Leute normal aussehen lassen, die denken "Er ist verrückt, er hat exotische Tiere in seinem Haus oder...
Gott hat die Tiere geschaffen, sie sind liebevoll und sie sind schön. Ich empfinde das wie die Anthropologistin Jane Goodall oder ein anderer dieser Naturalisten. Ich finde mein Interesse an Tieren keineswegs verrückt oder seltsam.

Was ist mit plastischer Chirourgie?
Ganz Hollywood hatte Schönheitsoperationen! Ich weiß nicht, warum sie mich herausgepickt haben. Die Presse übertreibt es. Es war nur meine Nase. Sie wollen, daß ich alles habe ändern lassen. Nur die Nase ist nicht genug für sie. Elvis hat seine Nase ändern lassen - Lisa Marie hat mir das erzählt. Darüber reden sie nicht. Sie haben mich ausgesondert. Das ist nicht fair.

OK, gut, da Sie Lisa Marie ansprechen, ich habe gelesen, daß sie es bereut, nicht die Mutter Ihres Sohnes zu sein und daß sie vielleicht noch immer gern ein Kind mit Ihnen hätte. Stimmt das?
Ich erinnere mich, daß sie damals so dachte. [lacht] Egal. was ich sage, diese Frage wird mir Ärger einbringen. In der nächsten Ausgabe von "TV Guide" wird vermutlich stehen: "Nun, Lisa sagte, sie will ihn niemals wieder sehen!"

Sind Sie beide jetzt Freunde?
Lisa ist süß. Ich mag sie sehr gern, und wir sind Freunde. Und wer weiß, was die Zukunft bringt? Ich habe keine Ahnung, wie sie heute fühlt. Ich werde es einfach so sagen. Sie kommt bei mir vorbei und besucht die Kinder, und wir telefonieren, solche Sachen.

Denken Sie, daß Sie wieder heiraten werden?
Das wäre schön.

Was wäre diesmal ausschlaggebend?
Es muß mich einfach umhauen. Ich muß die Person sehen und sagen "Das ist es. Das ist die richtige."

War das so bei Ihren beiden Ehen?
Ja, natürlich.

Wünschen Sie sich, Sie wären noch verheiratet?
Ja, das tue ich. Aber man muß das tun, was das beste ist. Was passiert, passiert. Man muß das respektieren.

Wer sind Ihre engsten Freunde?
Elizabeth. Wir gehen jeden Donnerstag ins Kino.

Sie gehen in ein normales Kino?
Ich will in das Warner Bros Studio gehen, aber sie lehnt das ab. Sie sagt "Nein, ich bringe dich nach draußen." Dann gehen wir in das Gebiet - was ich aussuchen kann - und gehen ins Kino. Und es ist meistens leer, weil die meisten Leute um die Zeit arbeiten. Die Kino-Angestellten sagen "Wow, kommen Sie rein" und wir müssen nie bezahlen. Und wir sind doch diejenigen, die es sich leisten könnten. [lacht]

Lassen Sie uns über Ihre Kinder sprechen. Ich muß das fragen, wegen der Geschichten, die kürzlich in den Zeitungen standen, daß Sie und Debbie nicht die biologischen Eltern Ihrer Kinder sind, daß ihr das Ei einer anderen Frau implantiert wurde, das vorher künstlich befruchtet wurde.
Das ist totaler Müll. Es ist Trash und nicht wahr.

Leben die Kinder bei Ihnen auf Neverland?
Sie waren vor zwei Wochen auf Neverland. Ich denke, sie haben zum ersten Mal erkannt, daß das ihr Zuhause ist. Sie dachten immer, das wäre ein Hotelzimmer. Wir wohnen überall in Hotelzimmern. Sie dachten nicht, daß der Zug und der Bahnhof und die Karussells für sie sind. Jetzt sagen sie immer "Wir wollen nach Neverland!".

Welche Charaktereigenschaften haben sie?
Prince erzählt mir den ganzen Tag, daß er Filme drehen will. Darum habe ich ihm eine Videokamera gekauft. Ich frage "Was machen wir heute?". Er antwortet "Star Wars". Dann stellen wir ein paar Figuren auf den Tisch und bewegen sie. Und Paris beginnt gerade zu laufen und zu sprechen. Sie ist sehr süß. Ich bin überrascht, daß sie Puppen liebt. Meine Schwester Janet mochte diese Sachen nicht. Sie war ein Wildfang. Ich dachte, Paris würde genau so sein, aber das ist sie nicht.

Und Sie wechseln Windeln und füttern sie?
Ja, ich mache das gern. Es ist viel Arbeit. Ich dachte, ich wäre vorbereitet, denn ich hatte alles über Kinderpflege gelesen,aber es ist so viel aufregender als ich je gedacht hätte. Das einzige, was ich bereue, ist, ich wünschte, ich hätte das viel früher gemacht.

Singen und tanzen Sie für sie?
So beruhige ich sie, wenn sie weinen. Wenn ich anfange zu tanzen, sind sie gleich ruhig.

Wollen Sie noch mehr Kinder haben?
Definitiv. Ich habe meinem Vater gesagt, ich würde es mit seinem Rekord aufnehmen. Er hat 10 Kinder.

Wie ist Ihre Beziehung zu Ihrem Vater heute? Sie waren sich eine zeitlang entfremdet?
Ich habe jetzt die beste Beziehung zu ihm, die ich je hatte. Ich denke mit der Zeit und dem Alter ist er zu einem netten Mann gereift. Er fragt mich jetzt "Wie geht es dir? Ißt Du genug? Das ist alles, was ich wissen wollte." Nicht "Hast du den Vertrag unterschrieben?" Er will nur wissen, ob es mir gut geht. Ich denke, das ist wirklich nett... Und meine Mutter ist wie ein wirklicher Engel.

Mit 41 Jahren, sind Sie glücklich?
Nun, ich bin meistens glücklich. Ich laß mich von nichts deprimieren, egal was es ist. Ich mag es, Wasser rauschen zu hören, wenn die Vögel singen und den Klang von Lachen, wissen Sie. Ich liebe all die wirklich natürlichen und unschuldigen Dinge. Ich würde niemals zu einer Party oder in einen Disco gehen. Ich habe das gemacht, als ich jung war, jetzt habe ich dazu keine Lust mehr.

Ich fand es erschütternd, als ich kürzlich ein Zitat las, wo Sie sagten, wenn sie nicht den Wunsch hätten, weiterhin den Kindern der Welt zu helfen, würden Sie das Handtuch werfen und sich umbringen. Fühlen Sie wirklich so?
Schon immer. Denn ich hätte nichts, wofür ich leben würde.

Nicht einmal für sich selbst und für Ihre eigene Kreativität?
Es würde mich nicht kümmern. Alles, was ich schaffe, ist von dieser Unschuld inspiriert. Und die Natur ist alles. Es muß so sein. Ich meine, das ist alles.