Am 10. November 1996 hat Michael seinen Fans auf dem Musiksender VH-1 (nur in den USA zu
empfangen) ein exklusives Interview gegeben. Michael wollte sich so, auf direktem Weg an
seine Fans wenden. Die Fans hatten ihm vorher telefonisch, brieflich oder per Internet
Fragen mittgeteilt. Dieses Interview wurde während der Asien-Tournee (History World Tour)
aufgezeichnet.
Michael Jackson: In meiner langen Karriere habe ich
immer nur dann Interviews gegeben, wenn ich wirklich dazu gezwungen war. Aber heute habe
ich mich zu dieser Sendung entschlossen, weil ihr es wirklich verdient.
Was macht dich richtig wütend?
Michael Jackson: Für mich ist Vollkommenheit
wichtig. Ich versuche ständig, sie zu erreichen. Sie wirklich erreichen ist sicherlich
schwierig, allerdings kann man, so glaube ich, etwas perfekt ausführen. Wenn ich ein
Projekt habe und nicht mindestens 99.9% meines gesteckten Zieles erreiche, macht mich das
wütend.
Wird es noch andere Videoclips der History-Songs geben?
Es wird noch viele Clips zu History geben. Wir werden in Kürze den Kurzfilm Ghosts
herausbringen, ein wirklich wichtiges Projekt. Danach erscheint Stranger In Moscow und
dann werden andere folgen. Heute haben wir bereits 28 Millionen Alben verkauft. Das ist
keine Information der Skandalpresse. Ihr solltet diese lieber meiden. Ihr seid fähig dazu
den Unterschied zu sehen und Dinge zu ändern. Geht den Lügengeschichten aus dem Weg.
Diese Leute erfinden Lügen, um euch in die Irre zu führen. Wenn ihr solche Zeitschriften
kauft, bereichert ihr sie. Diese Geschichten sind falsch, ihr solltet sie nicht lesen, es
handelt sich um Abfall, Müll und Dreck. Ihr könnt mir glauben.
Kürzlich haben wir gesehen, wie du eine Seidenmaske getragen hast. Warum?
Es fällt mir schwer es zu sagen, aber mit der Zeit hat sich der Zustand meiner Haut
verschlechtert. Ich leide an Vitiligo und bin gegen Sonne allergisch. Ich dürfte mich
eigentlich nicht einmal der frischen Luft aussetzen. Selbst im Schatten können die
Sonnenstrahlen noch meine Haut angreifen.
Gibt es Songs, die du im nachhinein bedauert hast?
Nein, zur Motown-Zeit kam es schon hin und wieder mal vor, dass ich mich mit dem
Produzenten wegen der Songs anlegte. Ich wollte die Songs anders singen. Daraufhin rief
ich Berry Gordy, den Direktor des Plattenverlages an. Er sagte den Produzenten dann:
"Lasst Michael machen, was er will. Ich nin sicher, dass er recht hat."!
Waren die Beziehungen zwischen den Künstlern während der Motown-Epoche gut? War
die Konkurrenz unter den Künstlern nicht ziemlich gross?
Nein, das Klima war eher freundschaftlich. Marvin Gaye kam regelmässig, mindestens
zweimal pro Woche und spielte mit meinen Brüdern Baskettball. Stevie Wonder kam zu
Parties oder anderen Gelegenheiten. Auch ich besuchte sie regelmässig. Diana Ross lud die
anderen Mädchen der Gruppe ein. Wir waren wirklich eine grosse und glückliche Familie.
Wir hatten eine Baseball-Mannschaft und spielten gegeneinander. Ich war damals noch
ziemlich jung, sie überliessen mir aber trotzdem den Schläger! Wir waren wirklich eine
glückliche Familie und sie fehlen mir sehr. Die Temptations besuchten uns auch
regelmässig.
Wirst du das Spezialkonzert für HBO, das ausgefallen ist, nachholen, und wenn ja,
wann?
Ja, es ist für Südafrika geplant.
Hattest du schon einmal Angst, auf die Bühne zu steigen?
Nein, ich hatte, soweit ich mich erinnere, noch nie Angst davor. Ehrlich gesagt, fühle
ich mich bei einem Konzert wohler als bei einem Studiointerview wie diesem!
Wirst du in den USA auf Tour gehen?
Ich würde das gern tun. Das ist für nächstes Jahr vorgesehen.
Wirst du eines Tages wieder mit Quincy Jones zusammenarbeiten?
Ich würde gern wieder mit Quincy Jones arbeiten. Wir stehen uns sehr nah. Allerdings
brauche ich Herausforderungen, ich möchte neue Sachen ausprobieren, neue Erfahrungen
machen. Quincy ist ein toller Mensch und ich mag ihn wirklich gern.
Wenn du einen Tag inkognito verbringen könntest, wo und wie würdest du ihn
verbringen?
Ich würde wahrscheinlich nach Neverland gehen oder auf eine verlassene Insel. Was ich
machen würde? Ich würde wahrscheinlich einen Song schreiben oder ein Musical
komponieren. Ich würde etwas Kreatives machen. Ich arbeite ständig.
Hat die echte Billie Jean deinen Song gehört? Und wenn ja, wie hat sie darauf
reagiert?
Es gibt ein Mädchen, das den Namen Billie Jean trägt, aber der Song bezieht scih nicht
auf diese Billie Jean. Billie Jean steht sinnbildlich für Mädchen aus den 60er Jahren -
den Groupies - , die nach den Konzerten auf die Stars warteten. Diese Mädchen hatten mit
fast allen Gruppen, die durch die Stadt zogen, eine Liaison. Inspiriert haben mich
Geschichten meiner Brüder dazu, als ich klein war. Damals gab es haufenweise Billie Jeans
, die nach den Konzerten herumstreiften und danach behaupteten, dass sie ein Kind von
meinen Brüdern erwarten würden.
Welche Songs beschreiben deine persönlichen Erlebnisse?
Stranger In Moscow, Heal The World, We Are The World, I`ll Be There... Alle Songs in
dieser Art.
Wie bist du auf die Idee zu Stranger In Moscow gekommen?
Ich habe dieses Stück in Moskau geschrieben. Der Text basiert auf persönlichen
Erlebnissen. Die Passagen: "Here abandoned in my fame, Armageddon of the brain"
("An diesem Ort , der Einsamkeit meines Renomees ausgeliefert, spielt sich ein
entscheidender Kampf in mir ab.") reflektieren Gefühle, die ich wirklich bei meiner
letzten Tournee hatte, als ich in Moskau war. Der Song ist ganz allein enstanden, ein ganz
natürlicher Prozess, da ich gerade in dieser Verfassung war. Ich war allein in meinem
Hotelzimmer, es regnete und ich habe zu Texten begonnen...