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  • The Jacksons vs. AEG Live – Zeugen der Jacksons, 11. Teil

    30. Mai 2013

    Seit Dienstag ist Paul Gongaware, Co-CEO von AEG Live, im Zeugenstand. Am Vormittag kam Janet Jackson in den Gerichtssaal, um ihre Mutter zu unterstützen. Schwester Rebbie war auch anwesend, was die AEG Anwälte dazu veranlasste, Einspruch zu erheben, da am Anfang des Prozesses vereinbart wurde, dass neben Mutter Katherine jeweils nur ein weiteres Familienmitglied dem Prozess beiwohnen dürfte (siehe unsere Meldung vom 5. Mai, Absatz 7). Janet konnte bleiben und Richterin Palazuelos sagte, die Sache würde zu einem späteren Zeitpunkt diskutiert werden. Es ist zu erwarten, dass die Befragung von Paul Gongaware durch Brian Panish, Anwalt für die Jacksons, einige Tage in Anspruch nehmen wird. Man darf gespannt darauf sein, was Paul Gongaware aussagen bzw. wie er sich verhalten wird.

    Paul Gongaware war während Michael Jacksons „Dangerous“ Tour der Tour Manager. Er sagte aus, dass er damals wusste, dass Michael Jackson Schmerzmittel verabreicht wurden, er jedoch bis zur öffentlichen Ankündigung, dass Michael die Tour abbrechen und sich in eine Reha-Klinik einweisen lasse, nicht wusste, wie ernsthaft das Problem war. Der Gerichtsreporter von der LA Times berichtete, wie Gongaware sich locker im Sessel zurückgelehnt hatte, als er von Brian Panish in dieser Sache befragt worden war. „Hatte keine Zeit“, so Gongaware. Schliesslich musste er ja seinen Job erledigen.

    Paul Gongaware begann ca. 1976 für Concerts West zu arbeiten. Concerts West wurde später von AEG übernommen. Eine interessante Zusatzbemerkung von LA Times Journalistin Corina Knoll hierzu: „[Paul Gongaware] arbeitete an Elvis Presleys letzter Tour, die mit dem Tod des Künstlers endete“. Was wollte die Journalistin damit implizieren? Dass Paul Gongaware zwei Superstars auf dem Gewissen hat? Aber zurück zu dem, was sich im Gerichtssaal abspielte.

    Als Brian Panish den Zeugen dann fragte, dass er in dem Fall wusste, was zu erwarten war, als Michael Jackson gestorben war, antwortete Gongaware: „Ich hatte so eine Idee, was geschehen würde, ja.“

    Am 25. März 2009 schrieb Randy Phillips an Gongaware: „Wir müssen jetzt den Stecker rausziehen. Ich erklär’s dir noch.“ Gongaware sagte, dass sich dies nicht auf die „This Is It“ Shows bezog, sondern auf Karen Faye. „Wir haben nie darüber gesprochen, die Michael Jackson Tour zu beenden, nicht dass ich mich erinnern mag“, so Gongaware. In einer weiteren E-Mail vom 25. März schrieb Kenny Ortega an Gongaware, dass Faye davon „überzeugt ist, dass dies gefährlich und unmöglich ist, wenn man MJs Gesundheit und Fähigkeit zu performen in Betracht zieht“. Gongaware sagte dazu aus, dass er glaubte Kenny Ortega wollte Kayes Anstellung beenden aufgrund dessen, wie sie die Situation gehandhabt hatte. „Sie versuchte den Zugang zu Michael Jackson zu kontrollieren und Kenny mochte das nicht“, so Gongaware.

    In einer anderen E-Mail machte Gongaware Michaels Arbeitsethik schlecht. Er sagte seinem Assistenten, er solle die Farben im Kalender ändern, so dass Michael meinte, er hätte mehr freie Tage. „Finde einen Weg, so dass es ausschaut, als arbeite er nicht so viel“, so die E-Mail.

    Eine weitere E-Mail von Gongaware bezog sich auf den notwendigen Auftritt von Michael für die Ankündigung der Konzerttour in London. „Wir können nicht gezwungen werden, dies zu stoppen, was MJ versuchen wird, weil er faul ist und stets seine Meinung ändert, wie es ihm gerade lieb ist und passt“. Gongaware nahm Stellung dazu und erklärte im Zeugenstand, dass Michael Jackson es nie mochte zu proben. Er mochte diese Sachen nicht“. Dumme Frage hier, aber was hat diese Erklärung mit dem Inhalt der E-Mail zu tun?

    In einem weiteren Teil der Befragung beschäftigte sich Brian Panish mit Gongawares Rolle betreffend das Budget für Conrad Murrays Dienste. Gongaware sagte aus, dass (obwohl er der Tour Manager war) er sich nicht um das Budget für die Tour kümmerte. Er vertraute darauf, dass der zuständige Buchhalter „wusste, wovon er sprach“. Und obwohl Conrad Murrays Lohn für mehrere Monate auf AEGs Budget aufgelistet war, betrachtete er es nicht als Geld, das dann auch wirklich ausbezahlt würde. „Potentielle Kosten werden ins Budget aufgenommen, so dass es später keine Überraschungen gebe“, so Gongaware.

    Gongaware habe zweimal mit Conrad Murray telefoniert. Beim ersten Mal habe Murray USD 5 Mio. für seine Dienste verlangt, beim zweiten Mal war Murray mit USD 150’000 pro Monat einverstanden, einem Betrag, den Michael Jackson vorgeschlagen hatte. Conrad Murray habe zuerst gesagt, er wolle mehr. Als Gongaware ihm dann sagte, das Angebot käme von Michael Jackson, „akzeptierte er sofort“, sagte Gongaware aus. „Es war keine beschlossene Sache. Wir hatten uns auf die Lohnsumme geeinigt, aber es mussten noch viele weitere Sachen geklärt werden“, so Gongaware. Gongaware sagte ferner, dass er einen Freund von ihm, der Arzt war, gefragt hatte, wieviel er verlangen würde für diesen Job und dieser habe ihm gesagt USD 10’000 pro Woche, dh. USD 40’000 pro Monat.

    Betreffend AEG Lives fehlendem Background Check von Conrad Murray sagte Gongaware, dass sie Murray im Rahmen ihres Standardverfahrens überprüft hätten. „Wenn wir jemanden überprüfen, verlassen wir uns entweder darauf, ob wir diese Person kennen oder sie in der Branche bekannt ist oder darauf, dass sie vom Künstler empfohlen wird. Und in diesem Fall wurde Conrad Murray vom Künstler empfohlen — der Künstler hat sogar auf ihn bestanden“.

    Übrigens, nur so nebenbei, Mr. Gongaware, der Künstler hat einen Namen: Michael Jackson.

    Sie hätten aber nichts gemacht um zu verifizieren, wer Conrad Murray sei und was er für einen Ruf habe, so Brian Panish. „Nun, Michael Jackson bestand auf in, empfahl ihn und das hat mir gereicht. Es liegt nicht an mir, Michael Jackson zu sagen, wer sein Arzt sein sollte“, so Gongaware. Panish fragte dann weiter: „Sie hätten Dr. Murray jederzeit sagen können, dass seine Dienste nicht länger benötigt waren, richtig?“ Nein, so Gongaware. Aber AEG habe Michael Jacksons Kindermädchen entlassen, als ein Assistent von Michael Jackson das verlangt hatte, so Panishs Kommentar.

    Als Panish Paul Gongaware zum Juni Meeting bei Michael Jackson zu Hause befragte, bei dem neben Michael noch weitere AEG Direktoren, Frank DiLeo und Conrad Murray anwesend waren, meinte Gongaware, dass es in dem einstündigen Meeting nicht darum ging, dass Michael nicht zu den Proben erschien, sondern darum, „ob Dr. Murray und Michael alles hatten, was sie brauchten, um sich um Michaels Gesundheit zu kümmern“. Daraufhin wurde den Geschworenen ein Polizeibericht, der das Meeting zusammenfasste, gezeigt. Darin stand: „Gegenstand des Meetings war Jacksons Gesundheit, dh. seine Ernährung, seine Ausdauer und sein Gewicht. Jackson war nicht zu Proben erschienen und man nahm an, er würde zu Hause tanzen. Jedoch fanden sie heraus, dass er sich nur Videos angeschaut hatte. Doktor Murray war empfänglich für die Bedenken [der andern] und sagte, er würde sich um die Situation kümmern“.

    In einem separaten Meeting mit Michael Jackson habe Gongaware festgestelt, dass dessen Aussprache undeutlich war und er „ein bisschen Weg vom Fenster war… Ich glaube, er war unter dem Einfluss von irgendwas, denn etwas stimmte nicht mit ihm“.

    Gongaware sagte auch aus, dass als sie Michael Jackson, den grössten Künstler seiner Zeit, für die Tour unter Vertrag nehmen konnten, diese eine riesen Sache war für AEG. In einer E-Mail im 2008 beschrieb Gongaware Randy Phillips gegenüber, wie sie Michael Jackson und seinen Manager für ein mögliches Comeback angehen sollten: „Wir müssen bei der Grundlagen anfangen. Wie packen wir es an. Der Unterschied zwischen [Live Nation] und uns ist riesig. Unser Fokus ist auf dem Künstler, sie sind Wall Street angetrieben. Wir sind schlaue Leute. Wir sind vollkommen ehrlich und transparent mit allem, was wir tun. So will es Phil [Anschutz, der Gründer von AEG]“.

    Fortsetzung folgt.

    Quellen: jackson.ch, latimes.com